• CDU-Fraktionschef erobert starken Kreisverband Nicolas Zimmer gewinnt in Tempelhof-Schöneberg. Pankower Wahlduell um Günter Nooke vertagt

Berlin : CDU-Fraktionschef erobert starken Kreisverband Nicolas Zimmer gewinnt in Tempelhof-Schöneberg. Pankower Wahlduell um Günter Nooke vertagt

Werner van Bebber,Marc Neller

Der CDU-Fraktionschef Nicolas Zimmer trägt zum dunkelblauen Anzug gerne Krawatten in scharfen Farben. Orange oder ein metallisch glänzendes Hellblau oder fliederfarben – auffällig, aber passend sind Zimmers Krawatten. Als er gestern antrat, um Vorsitzender seines Heimatkreisverbandes Tempelhof-Schöneberg zu werden, trug er eine hellgrüne Krawatte. Grün gilt als Farbe der Hoffnung, das passte: Gegen Dieter Hapel, Amtsinhaber seit vielen Jahren, gewann Zimmer, und zwar mit einer Mehrheit, die ihn selbst überrascht haben dürfte: mit 76 gegen 40 Stimmen.

Das ist ein mehr als ordentliches Ergebnis bei einer Wahl, über die man zuvor in Tempelhof-Schöneberg von Zimmers Parteifreunden zweierlei hörte: Erstens ist offen, wie es ausgeht. Zweitens ist es mutig bis übermütig, dass Zimmer gleich um den Kreisvorsitz kämpft. Denn Hapel hat Statur und Freunde. Zimmer hätte mit Blick auf Hapels Lebensleistung dezent auf den Stellvertreterposten hinarbeiten können. Zumal eine Niederlage für Zimmer bedeutet hätte, dass er auch als Fraktionschef „platt“ gewesen wäre, wie es am Freitag vor diesem Kreisparteitags-Sonnabend ein CDU-Kenner respektlos und treffend gesagt hatte.

Dieter Hapel, der Bildungsstadtrat, hat erst vor vier Wochen erfahren, dass er Konkurrenz bekommen sollte. In seiner Bewerbungsrede setze der jovial erscheinende, den Politnahkampf aber nicht scheuende CDU-Mann auf das, was die Basis mag – auf „Kärrnerarbeit“ und „bodenständige Kommunalpolitik“, auf kräftige Polemik gegen Rot-Rot und auf den Hinweis, dass er es geschafft habe, Tempelhof-Schöneberg aus dem innerparteilichen Streit um die Vormacht einzelner Kreisverbände herauszuhalten.

Das stimmte wohl. Doch intensiver als es mancher Ortsverbandschef erwartet haben dürfte, bedachte die Mehrheit der Delegierten die Folgen ihres Abstimmungsverhaltens für Zimmers Image. Damit haben sie ihn – und den eigenen Kreisverband, den viertstärksten in Berlin – gestärkt. Zimmer kann jetzt, wie er es wollte, als Kreischef „auf Augenhöhe“ mit dem Reinickendorfer Kollegen Frank Steffel oder Ingo Schmitt aus Charlottenburg-Wilmersdorf reden.

Hapel ließ sich zum Stellvertreter wählen. Der Verlierer des Tages war Gerhard Lawrentz, Baustadtrat und Berliner CDU-Generalsekretär. Lawrentz hatte es wissen wollen und trat gegen Hapel als Stellvertreter an. Das passte nicht zu der Absprache, die die Lokalpolitiker getroffen hatten, um weder Zimmer noch Hapel schwer zu beschädigen: dass der Verlierer um das Kreischef-Amt den Stellvertreterposten sicher bekommen sollte. Lawrentz räumte das Feld, lächelte sardonisch, sagte, man könne nicht immer gewinnen – und machte doch den Eindruck, er wisse, dass seine stärksten Zeiten langsam vorbei sind.

Mit Spannung war auch das Duell um den Kreisvorsitz in Pankow erwartet worden. Im größten Ost-Kreisverband will der CDU-Bundestagsabgeordnete Günter Nooke den Vorsitzenden René Stadtkewitz ablösen. Die Delegierten vertagten die Entscheidung auf den 30. April. Der Grund: Stadtkewitz, 40 Jahre alt, war am Freitag mit einem Schlaganfall ins Krankenhaus eingeliefert worden.

„Es geht ihm inzwischen besser“, sagte der stellvertretende Kreisvorsitzende Dirk Stettner am Sonnabend. Innerparteiliche Spekulationen, wonach Stadtkewitz seine Kandidatur nun aus gesundheitlichen Gründen zurückziehen werde, wies Stettner zurück: „Davon ist mir bisher nichts bekannt. Ich habe Kontakt mit seiner Familie. Ich gehe nach wie vor davon aus, dass René Stadtkewitz in drei Wochen antritt.“ Nooke wollte sich mit Verweis auf den Gesundheitszustand seines Kontrahenten nicht äußern. „Das gebieten der Anstand und Respekt.“ Das Ergebnis ist völlig offen.

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