Berlin : CDU-Machtkampf um den Wahlkreis Potsdam

Bundestagsambitionen von Ex-Landeschefin Ludwig machen ihrem Nachfolger Schierack zu schaffen.

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Potsdam - Im „roten“ Brandenburg haben die Christdemokraten derzeit keine Chance, bei der Bundestagswahl 2013 auch nur einen der neun Wahlkreise direkt zu gewinnen. Das geht aus der jüngsten Wahlprognose der Plattform election.de hervor, nach der die SPD alle Wahlkreise zwischen Uckermark und Lausitz holen würde. Das gilt auch für den Wahlkreis 61 in der Landeshauptstadt Potsdam und dem Umland, für den innerhalb der CDU um die Direktkandidatur gleichwohl ein erbitterter Machtkampf ausgebrochen ist. Wie berichtet, will die gerade gestürzte Landes- und Fraktionsvorsitzende Saskia Ludwig ein Comeback im Bundestag versuchen. Am Dienstagabend wurde sie vom Kreisvorstand Potsdam-Mittelmark mit nur einer Gegenstimme nominiert. Sie tritt jetzt gegen die bereits nominierte Katherina Reiche an, Potsdams Kreischefin, langjährige Bundestagsabgeordnete und parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium. Reiche war Brandenburgs CDU-Spitzenkandidatin bei der letzten Bundestagswahl.

Die Kampfkandidatur der beiden CDU-Frauen bringt neue Unruhe in die brandenburgische Union. Vor allem wird sie zur Nagelprobe für die Führungsstärke des designierten Landeschefs Michael Schierack, der im November als Ludwig-Nachfolger gekürt werden soll. Am Dienstag machte Schierack zwar keinen Hehl daraus, dass er von den bundespolitischen Ambitionen seiner Vorgängerin „überrascht“ wurde. Die Lage in der Partei nach dem Wechsel sei aber „ruhig, ohne Nachbeben. Es wird honoriert, wie schnell, klar und deutlich wir ihn vollzogen haben.“ Schierack betonte zugleich, dass das Duell um den Direktwahlkreis 61 „eine lokale Angelegenheit“ der zuständigen Kreisverbände sei. „Das muss man nicht gleich auf die Landesebene überhöhen. Ich sehe keine Spaltung.“ Präferenzen oder Empfehlungen wollte er nicht abgeben. Gefragt wird er sein, falls Ludwig es tatsächlich schaffen sollte, Reiche den Wahlkreis abspenstig zu machen. Dann käme man bei der Vergabe der für den Einzug in den Bundestag entscheidenden vorderen Plätze der Landesliste kaum an der Ex-Landeschefin vorbei. Die soll im Frühjahr 2013 aufgestellt werden. Neue Graben- und Lagerkämpfe wären programmiert. Als CDU-Chef kann er objektiv kein Interesse haben, dass mit Ludwig als Mitglied des „Berliner Kreises“ eine konservative Kritikerin von Kanzlerin Angela Merkel als Gesicht Brandenburgs in den Bundestag zieht. Er selbst hat - wie auch Reiche in einem Brief an die Potsdamer Mitglieder - seine Loyalität zum Merkel-Kurs betont. „Es ist noch viel zu früh, über die Landesliste zu spekulieren.“ Thorsten Metzner

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