Berlin : CDU vor der Wahl: Ein Senatoren-Kandidat für alle Fälle

Brigitte Grunert

Sollte der CDU-Spitzenkandidat Frank Steffel nach der Wahl am 21. Oktober Regierender Bürgermeister werden, könnte sein innenpolitischer Berater Wolfgang Bosbach allen Dementis zum Trotz Innensenator werden. Mit einer hübschen Metapher wehrte der Jurist und stellvertretende CDU/CSU-Fraktionschef im Bundestag am Freitag ab: "Man kann nur hinter einem Boot Wasserski fahren." Richtig, Bosbach (49) will wieder für den Bundestag kandidieren, und am 2. Oktober steht seine Nominierung im Rheinisch-Bergischen Kreis an. Doch Steffel relativierte, er könne doch keinen zum Verzicht nötigen.

Andererseits könnte für den Berliner Eventualfall auch noch rechtzeitig vor der Bundestagswahl im Herbst 2002 ein anderer Wahlkreis- und Listenkandidat nachnominiert werden. Denselben Eiertanz führen Steffel und sein justizpolitischer Berater Alexander Prechtel (früher Generalstaatsanwalt in Mecklenburg-Vorpommern) auf. Prechtel gilt als Bewerber für das Amt des Oberbürgermeisters von Rostock. Diese Wahl ist im April 2002. "Er ist ja in Rostock noch nicht mal nominiert", betonte Steffel.

CDU-Innenexperte Bosbach ist der Dritte in Steffels Berater-Team - nach der türkischstämmigen Emine Demirbüken (Integrationspolitik) und Prechtel. 15 sollen es nach und nach werden. Aus diesem Kreis werden gegebenenfalls Senatoren rekrutiert; nach der Verfassung gibt es höchstens acht. Steffel hofft mit seinem "Berlin-Team" einen "Aufbruch hinzukriegen, dass ein Ruck durch die Stadt geht wie 1981". Damals schaffte die CDU mit Richard von Weizsäcker die Ablösung der SPD-Herrschaft. Heute will Steffel die gerade verlorene Macht zurückholen. Sachverstand von draußen soll für eine erneuerte CDU stehen.

Die innere Sicherheit ist ein Pfund, mit dem die CDU traditionell wuchern kann. Diesmal will sie es erst recht, denn im - knappen - SPD-Wahlprogramm steht darüber so gut wie nichts. Die ganze Skala der Vorhaben, mit denen Diepgens Innensenator Eckart Werthebach teils an der SPD, teils am Bundesrecht gescheitert ist, soll ins CDU-Wahlprogramm. Bosbach machte sich beredt stark für die Video-Überwachung von "Kriminalitätsbrennpunkten", für die strafrechtliche Bekämpfung des "Graffiti-Unwesens" und den finalen Rettungsschuss der Polizei.

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