Berlin : Central Park statt Zentralflughafen

Der Senat und die Bezirke sind sich einig: Viel Grün und ein paar Neubauten reichen für das Areal. Das erzürnt Stadtplaner

Ralf Schönball

Visionen sind für das Gebiet des Tempelhofer Flughafens nicht gefragt – Investoren dagegen schon. So lassen sich die Pläne des Senats für das bald an die Stadt zurückfallende Gebiet zusammenfassen: Gerne könnten auch kleinere Teile der über 380 Hektar Interessenten auf Zeit überlassen werden, heißt es. Das Areal soll ansonsten aber eine große freie Grünfläche bleiben – eine Wiese ist vorgesehen, weil es wenig kosten soll.

„Das alles wird auch nur Stück für Stück umgesetzt“, sagt Petra Rohland, Sprecherin der Bauverwaltung. Der Senat hat die Planungshoheit für das Gebiet, muss die Entwürfe aber mit dem Koeigentümer Bund abstimmen. Sprecherin Rohland zitiert Senatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD): „Die Planung ist auf Langfristigkeit angelegt.“ Dies gelte auch für die Ausweisung von Bauflächen am Tempelhofer Damm: Dort könnten „Townhouses“ entstehen, weil Investoren damit jüngst in Friedrichshain gute Geschäfte gemacht haben. Und wo der Flughafen im Süden an Tempelhof grenzt, könne man „Gewerbe ansiedeln“ – weil dort schon Zentren von Ikea und Bauhaus stehen.

„Konzeptionsloser Schlendrian“ nennt der Stadtplaner Dieter Hoffmann-Axthelm diese Vorstellungen. Dadurch werde das Gebiet „von den Rändern aus angefressen“, statt es für die Stadt zu erschließen. Im Auftrag des früheren Senatsbaudirektors Hans Stimmann hatte der Planer schon einmal ein Konzept für das Gebiet vorgelegt: Danach sollten zwei zentrale Straßen das Gelände von Norden nach Süden und von Osten nach Westen „aufbrechen“, um Neukölln mit Schöneberg und Kreuzberg mit Tempelhof besser zu verbinden. Dadurch würde der soziale Brennpunkt Schillerpromenade in Neukölln aus seiner Randlage befreit und der Verkehrsinfarkt auf den „Entlastungsstraßen“ Columbia- und Mehringdamm sowie Silbersteinstraße „geheilt“.

Neuköllns Bürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) sieht das anders: „Durch die Anbindung an die Stadtautobahn haben wir eine leistungsfähige Trasse nach Nord-Westen“, sagt er. Die Einstellung des Flugbetriebs sei für die 70 000 Anwohner schon ein „Riesengewinn, weil nun nicht mehr täglich Tonnen von Kerosin auf sie niederrieseln.“ Buschkowsky spricht sich für die Erhaltung der grünen Frischluftschneise auf dem Areal aus: „Weil ein solches planerisches Reservoir für kommende Generationen kreativer ist als das hirnlose Zubetonieren des Gebietes“, sagt er. Sein Baustadtrat Thomas Blesing (SPD) setzt auf den Bau von „Townhouses“ nahe der Schillerpromenade, um zahlungskräftigere Bewohner in den Kiez zu locken.

Auch die SPD-Fraktion steht hinter dem Konzept der Bauverwaltung: „Der Markt erlaubt nur eine schrittweise Entwicklung der Ränder“, sagt der parlamentarische Geschäftsführer Christian Gäbler. Die Ränder des Gebiets könnten ferner am Columbiadamm durch die Wiederherstellung des Sportparks und im Süden durch den Bau des S-Bahnhofes Oderstraße aufgewertet werden.

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