Berlin : Chaos, Haß und Liebe

MATTHIAS OLOEW

Punks kündigen "Chaostage" zur Love Parade an / Gericht lehnt Klage abVON MATTHIAS OLOEW BERLIN.Neben hunderttausenden Tänzern und Ravern haben sich jetzt auch Autonome und Punks für den 12.Juli in Berlin angekündigt.Parallel zur Love Parade wird zum Sturm geblasen: die Hannoverschen Chaostage, bundesweiter Randaletreffpunkt in der niedersächsischen Landeshauptstadt, sollen in diesem Jahr an der Spree stattfinden.Schon seit Monaten wird im Internet für die Verlegung geworben.Bei Polizei und Innenverwaltung heißt es unisono: Die Behörden seien vorbereitet und arbeiteten bereits an Abwehrmaßnahmen.In Hannover herrscht dagegen Erleichterung: "Das erspart uns eine Menge Arbeit", erklärte ein Sprecher des Innenministeriums auf Anfrage. Angekündigt als "das Punk-Ereignis 1997" wird die als "Hate Parade" bezeichnete Aktion als "Abrißkommando Reichshauptstadt Berlin" definiert.Das Ziel: "Chaos, was sonst?" Nachdem die Stadtverwaltung die Chaostage im vergangenen Jahr verboten hatte, sollen diesmal, wie auch in den Folgejahren, keine Auseinandersetzungen und Straßenschlachten stattfinden.Erst zur Weltausstellung "Expo 2000" wollen sich die Punker wieder in Hannover treffen.Stattdessen werden "schöne Bösartigkeiten" für Berlin versprochen.Auftakt soll am 12.Juli um 14 Uhr am Ernst-Reuter-Platz sein.Zur gleichen Zeit, am gleichen Ort soll auch die Love Parade beginnen.Die Randalierer prophezeien: "Die erste Hate Parade ist die letzte Love Parade". Die Chaostage haben in Hannover Tradition.Seit 1984 trafen sich am ersten Augustwochende etwa zweitausend bis dreitausend radikale Punks am Leineufer, um in der Innenstadt zu randalieren und zu plündern.Zunächst reagierte die niedersächsische Polizei mit einer Deeskalationsstrategie, griff nach wiederholten, massiven Auseinandersetzungen jedoch durch.Im vergangenen Jahr wurden die Chaostage verboten, mit dem Ergebnis, daß die Randalierer nach Bremen weiterzogen, um ihren Frust dort auszulassen.160 Personen wurden in vorläufigen Gewahrsam genommen, etwa die gleiche Zahl an Polizisten wurde verletzt. Der Streit um die Strecke der Love Parade scheint zunächst entschieden zu sein.Gestern nachmittag hat das Berliner Verwaltungsgericht den Antrag abgelehnt, mit der den Veranstaltern der Love Parade untersagt werden sollte, die Techno-Parade durch den Tiergarten ziehen zu lassen.Das teilten die Anwälte der Kläger, der einjährigen Philine Partsch-von Bismarck als Anwohnerin und des Bundes für Umwelt und Naturschutz, mit. Die Entscheidung sei ohne mündliche Verhandlung erfolgt.Zur Begründung hieß es, den Antragstellern stehe ein Klagerecht nicht zu.Zur Einordnung der Love Parade als politische Versammlung, zu der wieder über 700 000 junge Menschen in Berlin erwartet werden, habe sich das Gericht nicht geäußert.Die Anwälte Peter Raue und Christian von Hammerstein wollen in die Beschwerde gehen.

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