Berlin : Charité: Die Klinik in Mitte steht vor einer gefährlichen Operation

Uwe Schlicht

Die Charité hatte das Wort des Regierenden Bürgermeisters und das Versprechen der Großen Koalition: Der Standort der Charité in Mitte mit dem symbolträchtigen Hochhaus wird ausgebaut. 800 Millionen Mark sollten dafür bis 2005 zur Verfügung gestellt werden. Doch jetzt stellt sich heraus: Daraus wird nichts. In den Plänen zur Neuordnung der Hochschulmedizin spielt die Charité an ihrem traditionellen Ort nur noch für die Forschung eine Rolle. Die Mittel zur Sanierung des Bettenhauses sind vorerst gestrichen worden. Der Krankenversorgung in dem bei Patienten beliebten Haus droht das Ende.

Die Hochschulmedizin soll in den nächsten Jahren neu geordnet werden. Der für die Finanzpolitik zuständige Hauptausschuss hatte dem Senat unter dem Druck der Sparzwänge den Auftrag erteilt, im Jahr 2001 seine Vorstellungen vorzulegen. Jetzt wurden die ersten Gedankenspiele bekannt. So verfolgt der Vorsitzende des Hauptausschusses, der SPD-Abgeordnete Hans-Peter Seitz, den Plan, ähnlich wie die städtischen Krankenhauser auch die Hochschulklinika in einer GmbH zusammenzufassen. In dieser GmbH mit den zwei Gesellschaftern, dem Klinikum Benjamin Franklin für die FU und der Charité für die Humboldt-Universität, solle die Universitätsmedizin gemeinsam gemanagt werden.

Die Hochschulmedizin bleibt danach zwar im Universitätsverbund, aber sie wird unter ein einheitliches Leitungsorgan gestellt. Auf diese Weise könne man Kosten sparen und Schwerpunkte besser organisieren als bisher, meint Seitz. Dann müsse nicht mehr an jedem Standort nur wegen der staatlich vorgegebenen Approbationsordnung für die Ausbildung der künftigen Ärzte jede Disziplin vorgehalten werden.

Folgende Aufteilung schwebt Seitz vor: Die Universitätskrankenhäuser Benjamin Franklin und der Campus Rudolf Virchow der Charité in Wedding übernehmen mit der Krankenversorgung auch im Schwerpunkt die Ausbildung der Studenten, der Standort Mitte der Charité wird vor allem der Forschung vorbehalten.

Der Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses hat die bisher in der mittelfristigen Finanzplanung bis zum Jahr 2005 vorgesehenen Mittel für die Sanierung des Bettenhochhauses bereits gestrichen. Erst vom Jahr 2005 an könnten für die Sanierung wieder Gelder fließen. In dem Entwurf ist eine Summe von 131 Millionen Mark vermerkt. Der ärztliche Direktor der Charité Eckart Köttgen und ihr leitender Verwaltungsbeauftragter Bernhard Motzkus weisen jedoch darauf hin, dass diese Verschiebung auf einen tatsächlichen Sanierungsbeginn im Jahre 2008 hinauslaufen wird, weil erst nach den neuen Finanzierungsraten die Baupläne erstellt werden müssen und weil vor allem der Wissenschaftsrat bei seinen Empfehlungen für die Vergabe der Bundesmittel vor völlig neue Entscheidungen gestellt wird.

Bis zum Jahr 2005 werden nach der mittelfristigen Finanzplanung allenfalls 500 Millionen Mark in den Standort Mitte der Charité investiert - eine Entwicklung, die von führenden Medizinern der Charité scharf kritisiert wird.

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