Berlin : Charité entlässt junge Assistenzärzte 260 Zeitverträge werden nicht verlängert

Ingo Bach

Die Charité macht Ernst mit der Ankündigung, auslaufende Zeitverträge von Assistenzärzten nicht zu verlängern. So will das Universitätsklinikum möglichst unkompliziert Personal abbauen. Außerdem sei die Ärzteschaft bisher von Reduzierungen verschont geblieben, ist aus dem Charité-Vorstand zu hören. Das Klinikum muss die Personalkosten verringern, da ihr ab 2010 jährlich 212 Millionen Euro weniger zur Verfügung stehen. Derzeit sind hier rund 4400 Ärzte und Wissenschaftler beschäftigt. „Davon haben die meisten einen Zeitvertrag“, sagt Charité-Sprecherin Kerstin Ullrich. Laut Unternehmenskonzept sollen 260 der 1300 Verträge, die dieses Jahr auslaufen, nicht verlängert werden.

Besondere Aufregung löste aus, dass einige Assistenzärzte, deren befristete Verträge ausliefen, jetzt nur eine Verlängerung um einen Monat erhielten. Manche befürchteten, dass die Klinik nun generell mit Ein-Monats-Verträgen arbeite. Dies seien aber Einzelfälle, sagt Ullrich. „Wir haben bisher fünf Medizinern diese Verlängerung gewährt, um ihnen Zeit für eine berufliche Neuorientierung oder für die fristgerechte Anmeldung beim Arbeitsamt zu geben.“ Denn diese Verträge könne man wegen des bestehenden Einstellungsstopps nicht verlängern.

Ein Entgegenkommen des Arbeitgebers sei das kaum, sagt Olaf Guckelberger von der Ärzteinitiative der Charité, einem Interessenverbund junger Assistenz- und Fachärzte. Denn das Hauptproblem seien die befristeten Verträge generell. „Das macht die Charité wenig attraktiv für junge Mediziner.“ Auch wenn solche Verträge an deutschen Unikliniken mittlerweile üblich seien. „Unsere Forderung ist, dass die Ärzte an der Charité wenigstens ihre Facharztausbildung beenden können, bevor man sie entlässt.“ Eine solche Ausbildung dauere mindestens fünf Jahre, in den chirurgischen Fächern bis zu sieben Jahren.

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