Berlin : Charité will Privileg der Chefärzte streichen

Professoren sollen Leistungsprämien bekommen und auf Honorare für Privatpatienten verzichten

Ingo Bach

Die Charité will an ihren Chefärzten mehr verdienen. Neu eingestellte leitende Mediziner sollen nicht mehr das Privileg haben, die Behandlung von Privatpatienten auch privat abzurechnen. Das kündigte Charité-Klinikumsdirektor Behrend Behrends am Donnerstag auf einer Pressekonferenz an. Die Löhne von Institutsdirektoren und Abteilungsleitern sollen künftig aus einem Sockelbetrag und – anders als bisher – einer Leistungsprämie bestehen, die im 5-Jahresrythmus nachverhandelt wird.

Durch dieses Modell erhält das Universitätsklinikum einen größeren Anteil der Privathonorare. Behrends rechnet mit jährlichen Mehreinnahmen von 40 Millionen Euro. Derzeit sind von rund 260 Charité-Professoren rund ein Viertel zur Privatliquidation berechtigt. Die Umwandlung der bestehenden Altverträge aber kann der Charité-Vorstand nicht erzwingen. Er muss auf einen freiwilligen „Solidarbeitrag“ der Professoren in der schwierigen wirtschaftlichen Lage des Klinikums hoffen. Wie berichtet muss die Charité bis zum Jahr 2010 mit jährlich 246 Millionen Euro weniger auskommen als derzeit. Deshalb sollen die Mitarbeiter in den laufenden Tarifverhandlungen einem Lohnverzicht von durchschnittlich sechs Prozent zustimmen.

Bisher bekamen die Professoren ein Grundgehalt nach Beamtentarif und konnten zusätzlich das Honorar aus der Behandlung von Privatpatienten zum großen Teil in die eigene Tasche stecken. Ein weiterer Teil der Privathonorare ging in einen Pool, aus dem die Mitarbeiter des Chefarztes Prämien für die zusätzliche Arbeit erhielten. Und auch der Arbeitgeber bekam etwas ab – für die Nutzung der Geräte und Räume. Nach Angaben der Deutschen Krankenhausgesellschaft kassiert ein Chefarzt in Deutschland im Durchschnitt 75 000 Euro Grundgehalt. Die Privatliquidation macht noch einmal rund 180 000 Euro aus. Zum Vergleich: ein Assistenzarzt verdient im Durchschnitt 45 000 Euro pro Jahr brutto, zuzüglich durchschnittlich 20 Prozent für Bereitschaftsdienste, zusammen also etwa 55 000 Euro.

Mit dem Plan, die Arbeit der Chefärzte leistungsabhängig zu vergüten, geht die Charité einen Weg, den andere deutsche Unikliniken längst beschritten haben. Denn das Privileg zur Privatliquidation wird seit drei Jahren schrittweise abgeschafft. Und angesichts der Proteste von Assistenzärzten gegen schlechte Arbeitsbedingungen und niedrige Löhne (siehe Kasten) nimmt die Kritik an den hohen Einnahmen der Chefärzte zu – auch wenn die Assistenzärzte der Charité selbst meinen, die Chefarztgehälter seien okay.

Aber nicht alle Privatpatienten wollen vom Chef behandelt werden, der oft eher ein Manager ist. Von den acht Millionen privat Versicherten in Deutschland habe nur jeder Zwölfte eine Chefarztbehandlung vereinbart, heißt es vom Verband der privaten Krankenkassen.

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