Charlottenburg-Wilmersdorf : Bezirkspolitiker gegen neue Möbelhäuser

Die Möbelhaus-Gruppe Krieger möchte in Grunewald zwei neue Häuser der Marken Höffner und Sconto bauen. Bezirkspolitiker aus Charlottenburg-Wilmersdorfer lehnen nun Kriegers Konzept ab.

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Zu abgelegen: Das Möbelhaus Höffner an der Weddinger Pankstraße soll schließen.
Zu abgelegen: Das Möbelhaus Höffner an der Weddinger Pankstraße soll schließen.Foto: Thilo Rückeis

Der vom Unternehmer Kurt Krieger geplante Bau von Möbelhäusern der Marken Höffner und Sconto auf dem ehemaligen Güterbahnhof Grunewald stößt auf immer mehr Kritik: Nach Anwohnern aus der nahen Siedlung Eichkamp und der Stadtentwicklungsverwaltung sprachen sich jetzt auch Bezirkspolitiker dagegen aus. Kriegers Konzept sei „nicht umsetzbar“, heißt es in einem Beschluss des Stadtplanungsausschusses Charlottenburg-Wilmersdorf vom Mittwochabend. Zu klären sei vielmehr, ob „eine anderweitige Entwicklung des Geländes möglich ist“, forderten CDU, SPD und Grüne.

Praktische Folgen hat dies vorerst nicht, weil noch kein Termin für einen Bauantrag absehbar ist. Begonnen hat der Abriss alter Häuser auf dem früheren Bahngelände. Darüber hinaus „passiert in diesem Jahr nichts mehr“, sagte der Leiter der Unternehmensexpansion, Michael Kollmann, auf Nachfrage. Krieger wisse, dass er einen „langen Atem“ benötige.

Die Krieger-Gruppe ist nach Ikea die zweitgrößte Möbelhauskette in Deutschland. Das Höffner-Stammhaus in Wedding soll in einigen Jahren schließen, weil der Standort zu abgelegen sei. Als Ersatz sind „Höffner“ und der Sconto-Möbeldiscount in Grunewald sowie das Projekt „Pankower Tor“ mit einem weiteren Möbelhaus geplant. In der City-West warnen die Bürgerinitiative „Zwischen den Gleisen“ und die Grünen-Fraktion seit Monaten vor einem „Verkehrskollaps“ und negativen Folgen für andere Einzelhändler. Die CDU und SPD sehen es ähnlich, wie sich nun im Ausschuss zeigte.

Kriegers Konzept sei „nicht zustimmungsfähig“, sagte Stefan Häntsch von der CDU, die in der BVV künftig die stärkste Fraktion sein wird. Von der SPD hieß es, das Areal sei ein „klassischer Gewerbestandort“, aber ungeeignet für großflächigen Handel. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung müsste für das Projekt den Flächennutzungsplan (FNP) und den Stadtentwicklungsplan Einzelhandel ändern, sieht dazu jedoch „keinen Anlass“.

Selbst eine Anpassung des Flächennutzungsplans würde den Bezirk „nicht zwingen, ein Bebauungsplanverfahren zu starten“, sagte Bezirksbaustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU). Er beruhigte Eichkamper Bürger, die den Abriss denkmalgeschützter Altbauten fürchten: Nur Häuser, die keine Baudenkmäler sind, dürften abgetragen werden.

Krieger hat laut Projektleiter Kollmann „keinen Plan B“. Kleinteiliges Gewerbe anderer Art sei keine Alternative, denn „das ist nicht unser Kerngeschäft“. Besser läuft es im Berliner Nordosten, wo sich die BVV bereits im Frühjahr mehrheitlich für das „Pankower Tor“ ausgesprochen hatte. Dort gibt es allerdings Streit um ein geplantes Shoppingcenter.

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