Charlottenburger Sängerstreit : Wettsingen fürs Opernfestival

Wer darf beim Opernfestival Rheinsberg auftreten? Drei Tage lang zeigten Sänger in der UdK ihr Können.

Christian Vooren
Foto: Christian Vooren

Jared Ice hat die Nummer 64. Als er den Saal betritt, wird es still in der Jury. Ice schreitet durch ihre Mitte bis zum dem Kreuz auf dem Boden, das mit Klebeband seine Position markiert. Der Amerikaner, der in Oldenburg lebt, streicht die schwarze Krawatte glatt und beginnt seinen Vortrag. Einige Juroren machen sich Notizen, einer schaut mit fragender Miene zu seinem Nachbarn, der nickt zustimmend.

Jared Ice sing aus voller Kehle. Hier, im Kammersaal der Universität der Künste, wird ihm nicht der Prozess gemacht, sondern der Sänger steht in der Finalrunde des Gesangswettbewerbs der Kammeroper Schloss Rheinsberg. Berlin ist der dritte und letzte Schauplatz der Auswahlrunden, in Toronto und in Moskau haben die Juroren schon Halt gemacht. Mehr als 400 Video-Bewerbungen gingen im Vorfeld beim Veranstalter ein, wer es durch die Vorauswahl geschafft hat, muss sich nun live beweisen. In Berlin buhlten von Donnerstag bis Sonnabend drei Tage lang 160 junge Opernsänger um die begehrten Plätze. 35 davon gibt es, wer es über die letzte Hürde schafft, ist im Sommer beim Internationalen Festival junger Opernsänger dabei. Neben kleineren Projekten stehen in diesem Jahr Puccinis Tosca und Händels Alcina auf dem Programm. Alles in allem werden aber nur 35 Plätze verge12192680ben, die meisten Bewerber werden also leer ausgehen.

Manche Bewerber waren in der Vergangenheit schon dabei

Astghik Khanamiryan kann, um im Bild zu bleiben, ein Lied davon singen. Die Armenierin hat es im vergangenen Jahr schon in Rheinsberg versucht, ist aber knapp gescheitert. Diesmal, so hofft sie, soll es klappen, auch wenn ihr klar ist: „Das Niveau hier ist sehr hoch.“ Nervös sei sie nicht, sagt sie. Aber als sie den Saal betritt – sie ist Nummer 71 – vergisst sie vor Aufregung fast, ihre schwere Tasche abzustellen. Beim Singen ist sie dann aber wieder ganz konzentriert. Ihr folgt, Nummer 72, noch ein alter Bekannter der Rheinsberger. Manos Kia bewirbt sich um eine Rolle in Tosca. 2012 war er schon einmal dabei. Die Jury wirkt zufrieden, Kia hat gute Chancen. Über andere Bewerbernummern diskutieren die Juroren ausgiebiger, manche werden schnell vom Tisch gewischt. „Das ist das unitalienischste Italienisch, das ich je gehört habe“, wird an einer Stelle moniert, „mit Abstand die Beste, die wir bisher gehört haben“, lobt ein anderer eine weitere Nummer – aber immer erst, wenn die Kandidaten den Saal verlassen haben.

Am Sonntag ringt die Jury um die Auswahl der Kandidaten

So wird Nummer auf Nummer durchgehört, diskutiert, auf den Stapel gelegt. An diesem Sonntag wird die Jury entscheiden. „Da wird viel gestritten werden“, prognostiziert Frank Matthus, der Künstlerische Direktor der Kammeroper. Am Freitag steht er vor der Tür der UdK, Mittagspause. Doch anstatt den Kopf kurz auszuschalten, diskutiert er bei einer Selbstgedrehten nach der anderen mit anderen Jury-Mitgliedern über grundlegende Fragen der Oper und des Schauspiels. Wer dem zugehört hat, ahnt, dass es bis zur Entscheidung ein hartes Ringen wird. Mit der Qualität insgesamt ist Matthus zufrieden. Es komme aber auch immer wieder vor, dass sie gute Sänger wegschicken müssten, weil sie nicht in das aktuelle Programm passen. Diejenigen sollten sich davon nicht unterkriegen lassen, so wie Astghik Khanamiryan. Nur weil es für viele in diesem Jahr nicht gereicht hat, ist die Oper noch lange nicht zu Ende.

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