Checkpoint Charlie : Berlin braucht den Kommerz

Ja, wer wäre nicht gegen den bösen Kommerz! Dabei lebt Berlin von den Touristen. Bernd Matthies über neue Ideen am Checkpoint Charlie.

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Die neue Infobox am Checkpoint Charlie.
Die neue Infobox am Checkpoint Charlie.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Schlägt der Kommerz zu, dann klingt das immer so nach Infektion, dann wissen wir schon, dass das Schöne sowie das Gute durch Preisschilder beschmutzt werden. Insofern klingt es interessant, dass die neue Infobox am Checkpoint Charlie nach den Worten von Kultur-Staatssekretär Schmitz „möglichst sachlich“ bleiben solle an einem Ort, der „stark dem Kommerz verfallen sei“.

Pssst: Berlin ist insgesamt dem Kommerz verfallen. Die Stadt lebt davon, dass jährlich mehr als 20 Millionen Touristen in die Stadt kommen, und sie wird diese Touristen ganz sicher nicht auffordern, ihr Geld wieder mitzunehmen. Denn das soll ja hier bleiben, je mehr, desto besser. 

Deshalb werden demnächst ganz unsachlich zwei Panzer vor dem Info-Kubus aufgestellt. Nötig wären sie nicht, denn jeder kann ja auf Fotos betrachten, wie die Dinger einst dort herumgestanden haben. Aber echte Panzer machen natürlich viel mehr her, sie veranschaulichen, dramatisieren, verzerren – und locken Touristen an. Disneyland gegen kulturellen Feinsinn, zusammengefasst in einem Staatssekretär: Berlin verkauft sich, und das nicht mal schlecht.

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