Berlin : Chef-Ankläger übt sich in Zurückhaltung

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Ein wenig irritiert es schon, wenn der neue Chef-Ankläger im Kriminalgericht Moabit zum Gespräch bittet – und nichts zu verkünden hat. „Ich laufe ’rum und lerne Leute kennen“, beschreibt Andreas Behm seine ersten drei Arbeitswochen. Und weil es unmöglich sei, sich alle Namen und Gesichter auf einmal einzuprägen, greife er auf eine Taktik zurück: Jeden grüßen, der freundlich lächelt.

Das klingt nett, bescheiden, aber nicht gerade wegweisend. Seit Anfang Juni leitet Andreas Behm die größte Staatsanwaltschaft Deutschlands, er ist der Nachfolger des umstrittenen Generalstaatsanwalts Hansjürgen Karge. Jetzt prasseln die Fragen auf den 47-jährigen Neu-Berliner ein: Was ist von höheren Strafen für jugendliche Serientäter zu halten? Von schärferen Gesetzen? Schnellerer U-Haft? Behm winkt ab. „Ich will mich inhaltlich noch nicht positionieren.“ Jedenfalls nicht öffentlich. Denn eine Meinung hat der Leitende Oberstaatsanwalt zur Jugendkriminalität bestimmt: 1997 hatte Behm in Hamburg die erste Intensivtäter-Abteilung aufgebaut, erst Jahre später zogen die Berliner nach. Behm sagt, dass die Strategie in beiden Städten fast identisch sei. Seit 2003 hatte Behm „Santa Fu“, die Hamburger Haftanstalt Fuhlsbüttel, geleitet, jetzt muss er sich als Behördenchef mit Mord, Korruption und Organisierter Kriminalität befassen. Die WM sei für die Staatsanwaltschaft bislang „glimpflich“ abgelaufen. Während Gewaltdelikte kaum eine Rolle spielten, habe es Festnahmen nach Trickdiebstählen und Betrügereien gegeben.

Entscheidende Änderungen scheinen den Moabiter Anklägern erstmal nicht ins Haus zu stehen. „Man kann das Rad nicht neu erfinden“, sagt Behm. Aber wenn man an vielen „ganz kleinen Schrauben“ drehe, könne man auch so viel erreichen. Bislang habe er aber im Getriebe nichts klappern gehört, sagt Behm. „Ich bin noch in der Findungsphase.“ kf

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