Berlin : Chef oder Teamchef? Die FDP sucht einen neuen Vormann

Rexrodt will nicht mehr – für die Nachfolge im Gespräch ist eine „Tandemlösung“ mit Markus Löning und Martin Lindner

Werner van Bebber

Das nennt man geordnete Verhältnisse: Der FDP-Landesvorsitzende Günter Rexrodt ließ durchblicken, dass er sein Amt lieber jemand anderem überlassen will. Bald fanden sich zwei mögliche Kandidaten für die Nachfolge – der Bundestagsabgeordnete Markus Löning und der Fraktionschef im Abgeordnetenhaus, Martin Lindner. Und beiden liegt nichts ferner als ein innerparteilicher Wahlkampf. Vielmehr suchen sie den Konsens.

Bislang hat sich keiner der drei offiziell erklärt, weder hat Rexrodt seinen Amtsverzicht verkündet noch Löning oder Lindner ihre Ambitionen. Das alles soll nach dem Parteitag am kommenden Wochenende geschehen, der einen langen Streit durch den Beschluss einer neuen Satzung beenden soll. Doch finden längst „Gespräche“ über die Vorsitzfrage statt – was bedeutet, dass Wünsche und Vorlieben geäußert werden. Ein Parteitag mit langweiligen Satzungsfragen eignet sich bestens, um Mehrheiten zu befestigen.

Zurzeit reden Berliner Liberale vor allem von einer „Teamlösung“. Man könnte auch von Arbeitsteilung zwischen einem neuen Landesvorsitzenden Löning und einem Fraktionschef Lindner sprechen, dem der Verzicht auf den Landesvorsitz nicht schwer fiele, weil er seine Bühne im Abgeordnetenhaus gefunden hat und sich einen Bedeutungsvorsprung durch Zugriff auf Senats- und Parlamentsthemen sichern kann. Wer Löning und Lindner ein wenig kennt und im Fernsehen ein paar Krimis gesehen hat, könnte ein spezielles Modell von Arbeitsteilung erkennen: Es ist das Modell „guter Bulle – böser Bulle“. Löning, ein Mann der Mitte und der Bürgerrechte, wäre das freundlich-linksliberale Lächeln der FDP. Lindner, dem der Angriff mehr liegt als der Ausgleich, würde weiterhin dem Senat zusetzen.

Die Tandemlösung kommt nach allem, was in der FDP zu hören ist, den Interessen der Protagonisten am nächsten. Rexrodt würde sein Bundestagsmandat sichern, indem er die Tandemlösung fördert und niemanden vor den Kopf stößt. Auch Löning könnte durch eine kollegiale Absprache mit Lindner – und durch dessen Verzicht auf eine Kandidatur – seine Aufstellung zur Bundestagswahl 2006 absichern. Und Lindner würde fast automatisch zum Spitzenkandidaten für die Wahl zum Abgeordnetenhaus. Die Fraktion jedenfalls hat er hinter sich: Elf von zwölf Abgeordneten stimmten bei der Vorstandswahl am gestrigen Dienstag für Lindner, eine Zustimmung von 92 Prozent. Das sage nichts über seine Ambitionen in Sachen Landesvorstand, sagte Lindner nach der Wahl.

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