Cité Foch in Reinickendorf : Das Erbe der Franzosen wird abgerissen

Vor 22 Jahren verließen die französischen Streitkräfte Berlin. In Reinickendorf wird jetzt ihr Erbe abgerissen, um Platz für Wohnungen zu schaffen.

von
Im ehemaligen Einkaufszentrum in der Rue Montesquieu werden zunächst Schadstoffe wie Asbest beseitigt.
Im ehemaligen Einkaufszentrum in der Rue Montesquieu werden zunächst Schadstoffe wie Asbest beseitigt.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Die französischen Straßennamen werden wohl bleiben, wobei selbst das nicht sicher ist. Die Cité Foch, ehemals größte Siedlung der französischen Streitkräfte in Berlin, wird nach Jahren des Verfalls und des Leerstands, komplett umgekrempelt. Am Montag begann der Immobilienentwickler BPD mit den Abrissarbeiten am ehemaligen Einkaufszentrum der Franzosen, 22 Jahre nach deren Abzug aus Berlin.

Am vergangenen Freitag hatte sich bereits Reinickendorfs Bezirksbürgermeister Frank Balzer (CDU) für die Fotografen in einen Bagger gesetzt und an der Fassade gerüttelt. Für den Bezirk sind die Arbeiten von großer Bedeutung. Sie symbolisieren die Kehrtwende, von der Abwärts- in die Aufwärtsbewegung. Außerdem kann der Bezirk mit den hier geplanten 333 Eigentums- und Mietwohnungen seine bislang eher magere Bilanz der Baugenehmigungen erheblich aufbessern.

Cité Foch: Berlins ruinierte Franzosen-Siedlung
So könnte sie einmal aussehen, die verfallene Cité Foch in Reinickendorf. Am vergangenen Freitag haben die Abrissarbeiten an dem alten Einkaufszentrum symbolisch begonnen. 333 Wohnungen sind auf dem Gelände geplant.Weitere Bilder anzeigen
1 von 516Visualisierung: Plan B / obs / BPD Immobilienentwicklung GmbH / Stand: 06.2016
20.06.2016 10:14So könnte sie einmal aussehen, die verfallene Cité Foch in Reinickendorf. Am vergangenen Freitag haben die Abrissarbeiten an dem...

Für die Fans des alten West-Berlin wühlt der Abrissbagger auch Emotionen auf. Das Einkaufszentrum samt katholischer Kirche, Hallenbad und Schule war ein Refugium französischer Lebensart in Berlin, wenn auch architektonisch kein großer Wurf. Abgerissen werden jetzt das Einkaufs- und Gemeindezentrum plus Kirche.

Das 2002 geschlossene Hallenbad gehört noch der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) – sein Schicksal ist auch besiegelt, allerdings gibt es noch keine Planung für Abriss und Neubau. Das Gleiche gilt für die ehemalige Abhörzentrale der Franzosen, die zuletzt vom BND genutzt wurde. Die BImA hat bereits einen Rahmenvertrag mit dem Bezirk geschlossen, nach dem bis zu 900 Wohnungen auf den frei werdenden Flächen gebaut werden können. Allerdings muss vorher das Straßen- und Leitungsnetz erneuert werden.

Symbolischer Abriss-Auftakt in der Cité Foch. Niederlassungsleiter der BPD-Immobilien Dirk Seidel (l.) und Bezirksbürgermeister Frank Balzer.
Symbolischer Abriss-Auftakt in der Cité Foch. Niederlassungsleiter der BPD-Immobilien Dirk Seidel (l.) und Bezirksbürgermeister...Foto: obs/BPD Immobilienentwicklung GmbH/Christian Kruppa

Die Franzosen hatten ab 1952 außerhalb der deutschen Bauordnung geplant, entsprechend eigenwillig wurden die Leitungen verlegt. Alle Straßen gehören der BImA und müssen noch öffentlich gewidmet werden, dabei könnten auch die Straßennamen verändert werden, damit rechnet Baustadtrat Martin Lambert (CDU) allerdings nicht. Schließlich soll die Vergangenheit nicht ausgelöscht werden.

Rund zehn Prozent der Wohnungen werden öffentlich geförderte Sozialwohnungen für 6,50 Euro pro Quadratmeter sein. Wie teuer der Rest werde, könne man noch nicht sagen, erklärte Annette Tipp von der BPD Immobilienentwicklung GmbH. Weil es in Reinickendorf bislang nur wenig Neubauprojekte gebe, rechnet sie mit mir einer relativ schnellen Vermarktung.

92 Mietwohnungen sollen bis 2018 fertig sein

Zunächst würden allerdings die 92 Mietwohnungen auf dem Südteil des Baufelds errichtet – die Fertigstellung ist 2018 geplant. Die 241 Eigentumswohnungen sollen in den Folgejahren bis 2020 errichtet werden. 1,5- bis 5-Zimmer-Wohnungen werden angeboten, mit Terrassen, Balkonen, Loggien und kleinen Gärten, relativ kompakt geschnitten. Die Entwürfe kommen vom Berliner Architekturbüro Höhne, das auch die Prenzlauer Gärten am Volkspark Friedrichshain gestaltet hat.

Neben Familien, die bislang noch zur Miete wohnen, könnten sich auch viele ältere Eigenheimbesitzer für eine Wohnung interessieren, glaubt Tipp. „Die möchten sich nicht mehr um den großen Garten kümmern und barrierefrei wohnen.“ Eine Tiefgarage wird es geben, die begrünten Innenhöfe sollen „autofrei“ bleiben, damit Kinder dort gefahrlos spielen können.

Autor

4 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben