City-Airport : Schöner wohnen in Tempelhof

Was wird aus dem Tempelhofer Feld? Stadtentwicklungssenatorin Junge-Reyer stellt ein Konzept für die Nachnutzung des Flughafengeländes vor.

Ulrich Zawatka-Gerlach
Tempelhof
Tempelhofer Feld. Sieht so die Zukunft aus? -Foto: ddp

Nach der Schließung des Flughafens am 31. Oktober 2008 sollen auf dem Tempelhofer Feld fünf neue Stadtquartiere entstehen. Dazu gehört eine 220 Hektar große Parklandschaft, die Raum lässt für Fußball, Beachvolleyball, Skating, Baseball, Tennis und andere Sport- und Freizeitaktivitäten. Zweiter Bestandteil des Nutzungskonzepts, das die Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) gestern vorstellte, ist ein internationales Zentrum für die Kultur-, Medien- und Kreativwirtschaft („Tempelhof Forum“) im denkmalgeschützten Flughafengebäude.

Für das teilweise leer stehende Gebäude, eines der größten der Welt, gebe es schon Interessenten für eine internationale Kunstausstellung und Filmproduktionen, sagte die Senatorin. Ab Jahresende 2008 seien solche Zwischennutzungen möglich. Parallel dazu werde mit der Vermarktung der insgesamt 300 000 Quadratmeter Nutzfläche begonnen. Dem gehe ein weltweiter Aufruf „für tragfähige Ideen“ im Internet voraus, der im Mai dieses Jahres starte. Nach Klärung der Eigentumsverhältnisse zwischen Berlin und dem Bund soll im ersten Quartal 2009 ein internationales Interessenbekundungsverfahren eingeleitet werden. Junge-Reyer hofft auf 5000 neue Arbeitsplätze im „Tempelhof Forum“.

Am Tempelhofer Damm, Richtung Autobahn, soll das 28 Hektar große „Stadtquartier Tempelhof“ entstehen – als europäisches Zentrum für Umwelttechnologien, wo sich Betriebe und Dienstleister aus der Klimaschutzbranche ansiedeln und 2300 neue Wohnungen entstehen. Ein Ideenwettbewerb soll im September 2009 abgeschlossen sein. Als Experimentierfeld für modernes Wohnen wird das Columbia-Stadtquartier (am Columbiadamm) geplant: 10,6 Hektar Bauland für 1500 „innovative, ökologische Wohnformen“, neue Genossenschaftsmodelle und Mehrgenerationenhäuser. Der städtebauliche Ideenwettbewerb soll bereits im nächsten Monat beginnen.

Zum Nutzungskonzept des Senats für ein flugfreies Tempelhof gehört auch das „Stadtquartier Neukölln“, mit Geschosswohnungen in „sonniger Westlage“, ausgerichtet auf die Parklandschaft, was sich auf den Kiez rund um die Schillerpromenade positiv auswirken soll. Ab 2012 könnte gebaut werden, so Junge-Reyer.

Das Offenhalten Tempelhofs für 1000 Fluggäste täglich hält die Senatorin für unverantwortlich. „So viele Passagiere passen in einen ICE-Zug nach Köln.“ Dagegen kritisiert der CDU-Fraktionsgeschäftsführer Frank Henkel: Das neue Konzept des Senats überzeuge nicht und sei aus der Not geboren. „Wir sagen nein zu diesen Blütenträumen.“ Der FDP-Landeschef Markus Löning warf dem Senat vor, sich jahrelang keine Gedanken um die Zukunft Tempelhofs gemacht zu haben, jetzt aber kurz vor dem Volksentscheid seine Planungen vorzulegen. Das sei „respektlos gegenüber den Bürgern“.

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