Comic-Festivals unter sich : Krieg der Zeichner

Am Wochenende finden gleich zwei Comic-Festivals in Berlin statt. Während die alternative Comic Invasion das locker sieht, sind die Veranstalter der traditionellen Comic Messe in Charlottenburg gar nicht begeistert.

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Dieses April-Wochenende steht ganz im Zeichen der Zeichnungen. Gleich zwei Comic-Festivals finden statt.
Dieses April-Wochenende steht ganz im Zeichen der Zeichnungen. Gleich zwei Comic-Festivals finden statt.Foto: dpa

Ein Doppelinterview, das wäre doch was! Wenn schon zwei Comic-Großveranstaltungen an einem Wochenende in Berlin stattfinden, müsste man doch die Verantwortlichen an einen Tisch bringen. Oder etwa nicht?

„Das könnte hitzig werden“, sagt Marc Seestaedt, Mitinitiator der Comic Invasion. Denn die etablierte Comic Messe war gar nicht begeistert, dass der Termin des aufstrebenden Indie-Comic-Festivals ausgerechnet auf dasselbe Wochenende fällt, beinahe hätten beide Events sogar am selben Tag stattgefunden. „Ich fand das nicht okay“, sagt hingegen Carsten Laqua, Mitorganisator der Comic Messe. „Das ist einfach für beide Veranstaltungen dumm.“

Die Veranstalter sind mit der Lösung unzufrieden

Die Comic Invasion am Sonnabend, die Comic Messe am Sonntag – das ist sehr ungünstig, findet Carsten Laqua. „Die Veranstaltungen werden sich gegenseitig die Gäste wegnehmen“, sagt er, obwohl er glaubt, dass die Schnittmenge der Gäste gar nicht so groß ist. „Es gibt Leute, die werden nicht an zwei Tagen auf Comic-Events gehen.“ Marc Seestaedt ist da entspannter: Er glaubt, dass sich die Veranstaltungen gut ergänzen. Denn in der Tat könnten sie kaum unterschiedlicher sein. Auf der einen Seite das auch für Nicht-Comic-Fans kompatible Independent-Festival mit Happening-Charakter, auf der anderen Seite die eher gemütliche Messe mit ihrer familiären Atmosphäre, bei der für jeden etwas dabei ist.

Der Unterschied fängt schon bei der Location an: Wie im vergangenen Jahr bezieht die Comic Invasion am Sonnabend die Räume des Urban Spree auf dem ehemaligen RAW-Gelände an der Revaler Straße. Der Kontrast zwischen dem graffitiüberzogenen Gebäude im hippen Friedrichshainer Alternativzentrum und dem gediegenen Ellington Hotel in Charlottenburg könnte kaum größer sein: Hier findet seit langem halbjährlich die Comic-Messe statt, die unter dem Namen Comic-Börse bereits seit 1973 in Berlin existiert und inzwischen rund 1200 Besucher pro Tag anzieht. Eine Traditionsveranstaltung, eine Institution.

Das kleine Independent-Festival und die etablierte Comicmesse

Für die Comic Invasion hingegen ist es erst die dritte Auflage. „Wir hatten Lust auf ein kleines, kostenloses Festival für die unterrepräsentierte Independent-Szene vor Ort, ohne große Stars“, sagt Seestaedt. „Die Szene in der Stadt hat das total umarmt.“ Mit Mawil (Action Sorgenkind) und Ulli Lust (Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens) sind dieses Jahr durchaus große Namen im Programm, aber insgesamt überwiegen unbekanntere Künstler.

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Währenddessen kommen zur Comic Messe regelmäßig international bekannte Zeichner: So wird es am Sonntag etwa eine Podiumsdiskussion mit dem großen belgischen Comic-Künstler Hermann Huppen (Andy Morgan) geben. Überhaupt stehen auf der Messe die Comics eher im Mittelpunkt: Rund 50 Händler und zehn Verlage stellen ihr Sortiment vor, da sei für jeden etwas dabei, sagt Laqua: „Von Mickey Maus bis Graphic Novel, von alten Raritäten bis zu Neuerscheinungen.“

Ganz so umfassend ist die Comic Invasion mit rund 50 Ausstellern und Verlagen nicht ausgerichtet, der Schwerpunkt liegt auf Graphic Novels: „Genres wie Superhelden- oder Abenteuer-Comics werden bei uns nicht so präsent sein“, sagt Seestaedt. „Dafür ist eher die Comic Messe da.“

Das Rahmenprogramm ist auch etwas für Nicht-Comicfans

Auch wenn die Messe ein interessantes Rahmenprogramm bietet – unter anderem stellt der Berliner Zeichner Tim Wöhrle seinen Science-Fiction-Foto-Comic „Eridani“ vor – spielt das Drumherum bei der Invasion definitiv eine größere Rolle: Es gibt ein Comic-Quiz, einen Illustrations-Automaten, Comic-Puppentheater, Ausstellungen, Zeichner-Battles, Konzerte. „Dadurch kommen Leute hier rein, die sonst nichts mit Comics am Hut haben“, sagt Seestaedt. „Das finde ich spannend, denn die Szene ist nach wie vor sehr überschaubar.“ Im vergangenen Jahr zog das Festival mehr als 1500 Besucher an, etwa die Hälfte davon Laufpublikum, schätzt Seestaedt: „Deshalb ist es mir auch wichtig, dass es kostenlos ist.“

Der Altersdurchschnitt bei der Invasion dürfte etwas niedriger liegen als bei der Messe, auch wenn das Publikum in beiden Fällen sehr durchmischt ist. Laquas Anspruch besteht vor allem darin, Comic-Fans aller Couleur anzusprechen: „Ich will, dass alle zusammenkommen, egal ob sie Abenteuercomics, Mangas oder Graphic Novels lesen.“

Im nächsten Jahr wird es kein Comic-Festival-Wochenende geben

Zustande gekommen sei der Termin laut Seestaedt dadurch, weil kein anderes Wochenende im April mehr möglich war. Dennoch hat Marc Seestaedt aus dem Ärger mit seinem Kollegen von der Comic Messe gelernt. „Schon aus Respekt will ich den Termin nächstes Jahr anders legen“, sagt er. Auch Carsten Laqua hat am Schluss noch ein paar versöhnliche Worte übrig. „Die Comic Invasion hat ihren eigenen Charme und auf jeden Fall ihre Berechtigung“, sagt er, bei allem Ärger über die unfreiwillige Termindoppelung. „Es ist ein Kommunikations- und Anlaufpunkt für viele Kreative, die sonst nur im stillen Kämmerchen arbeiten.“

Ob sich Messe und Invasion nun wirklich kannibalisieren oder sogar befruchten, wird das Wochenende zeigen. Doch eine Stadt so groß wie Berlin sollte doch eigentlich genug Platz bieten für mehr Veranstaltungen der Comic Szene.

Comic Invasion Berlin, Sonnabend, 26. April im Urban Spree, Revaler Straße 99, Friedrichshain, 12–23 Uhr, Eintritt frei.

Comic Messe Berlin, Sonntag, 27. April, Ellington Hotel, Nürnberger Straße 50–55, Charlottenburg, 10–16 Uhr, Eintritt 3,50 Euro, ermäßigt 1,50 Euro

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