Berlin : Couture neben Dönerbuden

Wedding zieht an: Bernadette Penkov macht Mode für Paris in der Brunnenstraße

Grit Thönnissen

Seit Bernadette Penkov ihr Atelier in Wedding bezogen hat, wird sie oft gefragt, was sie mit der Gegend an der Bernauer Straße verbindet. „Nichts“, sagt die Modedesignerin dann schlicht. „Ich arbeite nur hier.“ Trotzdem ist sie das neue Aushängeschild des Viertels, das in den 70er Jahren eines der größten Sanierungsgebiete der Bundesrepublik war. Da, wo Wedding von drei Seiten eingerahmt ist vom Ostteil der Stadt, wollte man mit einer kompletten Neubebauung zeigen, wie das Ideal des sozialen Wohnungsbaus aussehen könnte. Heute stehen viele Läden und Wohnungen leer.

Jetzt sollen ein paar Modedesigner den Aufschwung bringen, schließlich liegen die begehrten Stadtteile Prenzlauer Berg und Mitte in Sichtweite. Allerdings verstärkt dies das Gefühl, in ein Paralleluniversum gebeamt worden zu sein. Zwei Ladengeschäfte an der Brunnenstraße sind jetzt Heimat von insgesamt fünf Berliner Labels, die beim Wettbewerb „Wedding Dress“ der Wohnungsbaugesellschaft DeGeWo, mietfreies Arbeiten für ein Jahr gewannen.

Bernadette Penkov hat als Gewinnerin das Privileg eines eigenen Ladens. Es ist nicht der erste Preis für die gebürtige Ungarin. Nach Diplom an der Berliner Modeschule Esmod, für das sie den „Prix Createur“ bekam, wurde ihr ein Job in Paris angeboten. Modepreise wie der „China Fashion Award“ folgten. 2003 kehrte Bernadette Penkov nach Berlin zurück und gründete mit einer ehemaligen Kommilitonin das Label „Maison Anti“. Mit der ersten Kollektion gewannen sie das „Moët & Chandon Fashion Debut“ 2003.

Seit ein paar Monaten arbeitet Bernadette Penkov allein. In nur sechs Wochen entstand die Kollektion für Herbst/Winter 2005/06 im heimischen Wohnzimmer in Kreuzberg. Klar und bestimmt sind die Entwürfe geworden – so wie sich die Designerin selbst präsentiert. Uniform war das Thema, herausgekommen sind zweireihige Hosenanzüge, strenge Hemden, schmale Hosen und lange Militärmäntel in Weiß, Schwarz, Grau und Blau. „Bunt bin ich nicht.“

Ihre direkte Nachbarschaft wird Bernadette Penkov jedenfalls wohl kaum mit neuer Kleidung versorgen – Hosen kosten 300 Euro, Blazer ab 400 Euro. Aufwändige Verarbeitung, exklusive Stoffe und kleine Stückzahlen erklären den Preis. Ihre potenzielle Kundschaft sieht sie dann auch eher in Paris als in Berlin. Aber kennen gelernt hat sie ihre Nachbarn doch: Mehmet von der Dönerbude vis à vis versorgte sie während der Renovierungsarbeiten mit Tee und Apfelschorle, alte Damen auf Hundespaziergang lassen sich die Kleider erklären, und oft klebt eine Horde Kinder am Schaufenster und guckt beim Entwerfen zu.

Gerade sind Teile ihrer Kollektion zusammen mit dem Bundespräsidenten zur Eröffnung des Deutschland-Jahres in Tokio unterwegs gewesen. Bernadette Penkov gehörte zu den ausgewählten deutschen Kreativen, von denen sich Horst Köhler erhofft, dass sie das Deutschlandbild in Japan bereichern. Wenn Bernadette Penkov schon im Fernen Osten als Botschafterin fungiert, dürfte der Imagewechsel im nahen Wedding ein Kinderspiel werden.

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