• "Da lohnt es sich kaum, den Computer anzuknipsen" - auch Berliner Reisebüros wollen sich Sonderleistungen bezahlen lassen

Berlin : "Da lohnt es sich kaum, den Computer anzuknipsen" - auch Berliner Reisebüros wollen sich Sonderleistungen bezahlen lassen

Tobias Arbinger

Die Einschätzung des Deutschen Reisebüroverbandes, wonach ab kommendem Jahr Beratungsgebühren für Flug- oder Fahrplanauskünfte erhoben werden könnnten, wird auch in Berliner Reisebüros diskutiert. Betriebswirtschaftlich wäre eine solche Gebühr angebracht, hieß es in einigen Büros der Stadt. Dort will man jedoch abwarten, wie sich die Branchenführer verhalten. Ein Alleingang einzelner Betriebe wäre für diese tödlich, hieß es. Am Montag hatte sich der Reisekonzern Condor-Neckermann C & N Touristic für die Gebühr ausgesprochen.

Sie sollte für solche Leistungen erhoben werden, bei denen die Büros bislang Verluste machen. In der Branche heißt es, dass auch die größte deutsche Reisebürokette Deutschlands Hapag Lloyd Touristik Union (HTU) diese Gebühren befürwortet.

Der Geschäftsführer des Deutschen Reisebüroverbandes, Leonhard Reeb, sagte gestern gegenüber dem Radiosender 93,6, für Bahnauskünfte könnten künftig zwei bis fünf Mark, für Flugreisen zehn bis 30, für individuelle Auskünfte bis zu 100 Mark genommen werden. Diese Gebühr sollte jedoch nur anfallen, wenn keine Buchung erfolgt. Reeb schätzte, dass die Kunden bereit wären, den Betrag zu zahlen. Ob die 17 000 Reisebüros die Gebühr einführten, sei jedem selbst überlassen. Offenbar wird in der Branche auch die Variante diskutiert, Gebühren selbst bei Buchung zu nehmen.

Christian Wüstefeld, Geschäftsleiter im Berliner Reisebüro Ehlert hält Gebühren für legitim. Seit Jahren kürzten die Bahn AG und die Fluggesellschaften die Provisionen für die Vermittlung von Tickets. Trotzdem seinen die Reisebüros vertraglich verpflichtet, dem Kunden - bislang kostenlos - Auskunft zu erteilen. An einem Billigflug für 199 Mark von Berlin nach München verdiene Ehlert 9.95 Mark, sagte Wüstefeld. Dem Büro entstünden laut einer Untersuchung pro Flugschein jedoch im Schnitt 45 Mark an Kosten etwa für Personal, Miete, Buchhaltung, das Reservierungssystem . Etwa 15 Prozent der Kunden holten nur Auskünfte ein und buchten nicht. Auf die guten Umsätze in der Reisebranche angesprochen, sagte Wüstefeld, die Büros hätten mit Renditen von etwa 0,5 Prozent daran kaum teil.

Werner Kraberg, Abteilungsleiter für 24 Bayern-Express-Reisebüros in Berlin, sagte, die Gebühren seien seit Jahren im Gespräch, nur "hat sich nie einer getraut, den Vorreiter zu spielen". Sein Unternehmen sei nicht sicher, ob es sie einführen werde und wenn, in welchem Umfang. Besonders bei langwierigen Planungen für Weltreisen müsse man darüber aber nachdenken. "In vielerlei Hinsicht haben wir bislang umsonst beraten", sagte Kraberg.

Nicole Junker von Allround-Reisen sagte, sie würde eine Gebühr nur einführen, wenn die gesamte Branche mitziehe. Bei einer Provision von 5 Prozent für innerdeutsche Flugreisen "lohnt es sich nicht, den Computer anzuknipsen". Zum Teil ließen sich Kunden beraten und gingen dann zur Konkurrenz. Die Höhe der Gebühr müsste sich nach dem Arbeitsaufwand richten. Komplizierte Umsteigeverbindungen kämen dann teuer als ein einfacher Flug. Pauschalreisen machten "wenig Aufwand".

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