Berlin : Daniela Hoffmann: Julia Roberts Stimme lebt im Umland

Heidemarie Mazuhn

Wer mit Julia Roberts sprechen möchte, braucht nur ins Umland zu reisen. Pünktlich 20 Uhr ist in Bergfelde die Adresse gefunden - ein weißes Häuschen, versteckt hinter hohen Tannen. Am Eingangstor flattern zwei gelbe Stoffschleifen, im Vorgarten thront ein dickes Kunst-Huhn zwischen den Narzissen, auch Osterschmuck kann man noch entdecken. Nur weit und breit keinen einzigen Menschen - um die Zeit könnte man die Ahornallee glatt im Nachthemd überqueren. Aber das will gerade niemand, und wir wollen jetzt Julia Roberts deutsche Stimme alias Daniela Hoffmann sprechen.

Die Schauspielerin sitzt in trauter Familienrunde und blickt perplex dem unbekannten Besuch entgegen. Glatt vergessen hat sie die Verabredung zur selbst vorgeschlagenen Abendzeit, "in der die Kinder im Bett sind". Sind sie nicht, müssen sie nun aber im Eiltempo. Während Daniela Hoffmann mit dem achtjährigen Max und dem dreijährigen Felix nach oben entschwindet, zeigt Ehemann Dirk Hartung das Nest im Grünen, das die Familie vor drei Jahren gegen Friedrichshain eintauschte - hauptsächlich der Kinder wegen. "Wenn wir schon bauen, dann richtig", hatten sie sich gesagt, als sich Felix anmeldete. Richtig ist es geworden - vom Wohnraum mit viel Platz für jeden und für alles, bis hin zu Kater Moritz und Hamster Fridolin und mit einem Spielplatz draußen, der jeden städtischen Kindergarten glücklich machen würde. Die riesige Hollywoodschaukel würde jeden Filmstar glücklich machen - bequem zu zweit kann man auf ihr herrlich lümmeln. Das ist bei Eltern von zwei lebhaften Söhnen aber nicht so oft angesagt - öfter lernt Daniela Hoffmann darauf ihre neuen Rollen, gerade eine für die elfte Staffel der "Landarzt"-Serie.

An diesem Abend "lümmelt" sie auf Wunsch des Fotografen, nachdem sie Max und Felix zur Ruhe gebracht hat. Mütterlich und zupackend - fast wie ihre "Schwester Erika" in der TV-Serie "Happy Birthday". Als Hebamme kam darin Daniela Hoffmann bis vergangenen Dienstag wöchentlich in die Wohnzimmer, seit vier Jahren kennt man sie dort auch als Kneipenwirtin im hessischen "Polizeiruf 110". Längst nicht alle ihre Fernseh- und Kinofilmrollen, zu denen auch die in "Viktor Klemperer" und dem Cineasten-Insider-Kinotipp "Wege durch die Nacht" mit Hilmar Thate gehören.

Aber nicht deshalb kam die Schauspielerin jüngst in die "Leute von morgen"-Kolumne eines Gesellschaftsmagazins, sondern durch ihre Kollegin - Oscar-Preisträgerin Julia Roberts. Die hatte mit "Pretty Woman" ihren Durchbruch - in Deutschland trug 1990 dazu Daniela Hoffmann bei. Die traf damals im Synchronstudio am besten den Ton der Roberts - "dreckige Lache und leicht ordinär mit texanischer Klangfarbe". Seitdem ist die Hoffmann das deutsche Roberts-Stimmdouble, aber auch das von Calista Flockhart alias "Ally McBeal". Die gleichnamige Kultserie ist übrigens die einzige, die sich die Berlinerin selbst im Fernsehen ansieht.

Dass sie Julia Roberts synchronisiert, sieht die 37-Jährige ganz unaufgeregt, auch wenn nach deren Oscar hier plötzlich alle auch nach ihr verlangen, so kürzlich Harald Schmidt in seiner Show. Leben könnte sie allein von Roberts-Filmen nicht, und die Gabe, sich sprachlich nicht nur in den millionenteueren Star zu verwandeln, verdanke sie ihrer Ausbildung im Osten. Vier Jahre studierte sie an der Theaterhochschule Leipzig - mit ein paar "Schnupperwochen" Schauspielunterricht bei Lee Strassberg in New York, womit sich manche Sternchen gern die Vita aufpolieren, sei es nicht getan, stellt die Ost-Berlinerin trocken fest.

Als sie 1989 mit einem Drei-Tage-Visum im "Westen" blieb, war sie im "Osten" längst durch Film, Fernsehen, das "Theater im Palast" (TIP) und das Berliner Ensemble bekannt. "Im Westen kannte mich kein Schwein", erinnert sich Daniela Hoffmann an ihren zweiten Anfang. Geboren ist sie in Prenzlauer Berg, und auf der Bühne stand sie erstmals mit sechs Jahren. Im Kinderensemble der Komischen Oper lernte sie noch unter Felsenstein singen, Klavier spielen, fechten, tanzen und sich zu bewegen - "bis zu meinem 18. Lebensjahr war die Behrenstraße mein Zuhause". Obwohl sie gut sang, wurde Oper aber nicht ihr Berufsziel. Mathematik auch nicht, obwohl die Einser-Schülerin einer Mathe- und Physik-Spezial-Oberschule sogar zur Mathematik-Olympiade nach Moskau delegiert wurde. Als sie ihr Abitur mit Auszeichnung "nur" für das Schauspielstudium nutzen wollte, "waren alle tierisch sauer". Dass sie sich durchsetzte, freut heute vor allem die Söhne - wenn denen die Mutter vorliest, ist das fast wie Hörspiel.

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