Berlin : Das Aquarium will Meer

Zoo-Direktor plant ein Großbecken an der Budapester Straße. Eiförmiger Anbau könnte rund 25 Millionen Euro kosten

Christian van Lessen

Wie ein großes, dickes Ei sieht das Projekt aus. Zoodirektor Jürgen Lange hat die Pläne schon fertig – für einen Anbau des Aquariums an der Budapester Straße. Mit einem Großbecken, in dem sich etwa gewaltige Haie, Rochen oder Schwärme großer Makrelen tummeln könnten und das sich über zweieinhalb Etagen erstreckt. Besucher dürften das Gefühl haben, auf dem Meeresboden zu wandeln.

Das Ei hat ein Schmetterlingshaus in der Kuppel und im Erdgeschoss ein Restaurant mit „Meeresblick“, das bis in den Abend geöffnet ist. Der Platz für ein kleines Aquariummuseum ist auch noch da.

Ein großes Meeresbecken fehlt dem Aquarium, sagt Lange. Vor den Plänen für einen Anbau hat der Zoo geprüft, ob im Altbau Platz für ein Großbecken ist. „Technisch nicht machbar,“ sagt Lange. Es sei denn, das Treppenhaus wäre herausgerissen worden. Da hätte vermutlich auch der Denkmalschutz nicht mitgespielt. So kam die Idee auf, das Gelände zwischen Aquarium und dem Zoo-Eingang Elefantentor für einen Anbau zu nutzen. Das Grundstück ist totes Kapital, ein Hinterhof. Dort steht das leergeräumte, nicht denkmalgeschützte und marode wirkende alte Direktorenhaus in einem kleinen Garten. Der Architekt und Aquariumspezialist Peter Chermayeff aus Boston sah sich bei einem Besuch in Berlin um, legte den Entwurf für einen Anbau vor. Lange ist der Ansicht, dass dieser Plan verwirklicht werden sollte.

Vorgesehen ist, dass neben dem alten Aquariumstreppenhaus, dessen Fenster zum Schauaquarium weisen, eine Art Lobby entsteht, von der aus das große neue Becken im Halbrund zu umlaufen ist. Von hier aus ist auch das Restaurant zugänglich. Es wird einen weiteren Zugang an der Budapester Straße haben.

Zoo-Direktor Lange ist sicher, dass der Anbau mit dem großen Becken eine Attraktion für die West-City werden könnte. Wie das geplante Riesenrad. Der Neubau könnte als Niedrigenergiehaus mit Solarflächen ausgestattet werden, die Wasserpumpen könnten oben am Becken angebracht werden, was auch Energie spare. Billiger als zunächst mit 40 Millionen Euro veranschlagt werde das Projekt auch: rund 25 Millionen Euro.

Das ist der Punkt, an dem Zoodirektor Jürgen Lange stockt. „Ein dicker Brocken“, gibt er zu, gerade angesichts der finanziellen Situation des Zoos. „Aber es ist kein utopischer Traum.“ Der Aufsichtsrat, in dem der Senat vertreten ist, hat das Projekt inzwischen zwar interessiert zur Kenntnis genommen, ist aber angesichts der erwarteten Kosten ins Grübeln gekommen. „Derzeit nicht finanzierbar“, musste der Zoodirektor hören.

Aber Lange will sich, kurz vor dem Ende seiner Amtszeit, mit einem Veto nicht zufrieden geben. Der Wiederaufbau des Aquariums nach dem Krieg sei fast voll und ganz aus Lotto-Mitteln bezahlt worden, sagt er. Das Aquarium sei eigentlich ein Lotto-Haus. Es müsste eine Lösung gefunden werden, bei der sich beispielsweise Zoo, Lotto und Sponsoren die Kosten aufteilen könnten. Der Plan für den Anbau sei kein Schnellschuss. „Es ist für die Stadt wichtig, dass ein großes Highlight entsteht.“ Auch Zoo-Kurator Heiner Klös hält viel von dem Projekt. „Weltweit steigt das Interesse des Publikums an großen Schau-Aquarien,“ sagt er.

Im aktuellen Arbeitspapier von Zoo und Tierpark für den Finanzsenator ist das Projekt als Vorschlag zur höheren Attraktivität vermerkt. Der Senat als Zuwendungsgeber verlangt sogar Vorschläge. Zum gewünschten Anbau heißt es aus der Finanzverwaltung nur, dass man derartige Überlegungen aus Reihen des Zoos derzeit nicht kommentieren wolle. Es gebe hier noch viele andere „Baustellen“, beispielsweise die Pläne für das Riesenrad am Rande des Geländes.

Aber im Zoo ist der Wunsch nach einer Erweiterung des Aquariums groß. Rund 800 000 Besucher kommen im Jahr, davon 60 Prozent Touristen. Schon vor drei Jahren, als das Haus sein 90-jähriges Bestehen feierte, war von einem möglichen Neubau geredet worden. Vor dem Hundertjahr-Jubiläum 2013 wolle man mit den attraktivsten Aquarien der Welt Schritt halten. Seither gab es gar interne Vorstellungen, ein neues Haus in Höhe der Straße des 17. Juni zu errichten. Ein „Ei“ als Anbau scheint aber verkehrsgünstiger – und preiswerter.

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