DAS BEWOHNERPORTRÄT : Urban Strittmatter, 94

Pflegeheim:

Seniorenheim Koenigsallee, Wilmersdorf

Pflegestufe II

Erst seit kurzem wohnt er im Seniorenheim in der Koenigsallee in Wilmersdorf. Trotzdem kennt man ihn schon im ganzen Haus. Schließlich verbinden sich mit Urban Strittmatter große Persönlichkeiten: Der 94-jährige Berliner hat sowohl den ehemaligen US-Präsident John F. Kennedy, den Geigenvirtuosen Yehudi Menuhin als auch die italienische Filmdiva Sophia Loren regelmäßig massiert. Wenn sich die Berühmtheiten in Berlin zu Besuch aufhielten, durften Termine bei dem vielfach ausgezeichneten Sportmasseur nicht fehlen. „Ich war viel beschäftigt“, sagt Strittmatter. „Ich musste immer früh aufstehen, weil die Leute vor ihren Terminen massiert werden wollten. Das hält fit." Dass er immer viel unterwegs war, bereut er heute ein wenig. Seine Kinder hat er in all den Jahren als Starmasseur kaum gesehen. „Ich hätte gerne mehr Zeit für meine Familie gehabt“, sagt Strittmatter.

In Rente ging der Mann mit vollem, schlohweißen Haar erst mit 75 Jahren. Allerdings dauerte es noch weitere zehn Jahre, ehe Strittmatter sich völlig zur Ruhe setzte. Bis er 85 Jahre alt wurde, war er als Fußballtrainer einer Jugendmannschaft tätig. Strittmatters Frau ist schon früh verstorben, seine drei Kinder hat er in den vergangenen Jahren nur noch selten gesehen, zwei von ihnen wohnen inzwischen tausende Kilometer weit weg – in Kanada. Der Witwer verbrachte die letzten Jahre mit einer Freundin, gewohnt hat er jedoch seit dem Tod seiner Frau allein.

Im vergangenen Jahr machten ihm zunehmend Herzbeschwerden und eine Nierenschwäche zu schaffen. Ärzte rieten ihm, in ein Seniorenheim zu ziehen. Strittmatters Freundin hat das Haus für ihn ausgesucht, gemeinsam haben beide das Zimmer mit Möbeln eingerichtet. Mehrmals in der Woche nimmt Strittmatter tagsüber an der Krankengymnastik teil, abends spielt er mit anderen Hausbewohnern Bingo. Zu gewinnen gibt es einen kostenlosen Haarschnitt. „Noch habe ich aber nicht die nötigen Punkte zusammen", sagt Strittmatter. Dreimal wöchentlich bekommt er von seiner Freundin Besuch. Allein gelassen fühlt sich Strittmatter nicht. Und wenn doch, kann er immer ein paar Anekdoten von früher erzählen – und seine Mitbewohner lauschen ihm aufmerksam. hah

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