Berlin : Das fromme Herz der Mark

Bollwerk gegen Herrschende: Brandenburgs Domkapitel feiert sein 850-jähriges Bestehen mit einer Ausstellung

Claus Dieter Steyer
Kleinod in der Mark. Mit einem Festgottesdienst wurde das 850-jährige Bestehen des Domkapitels gefeiert. Foto: ddp
Kleinod in der Mark. Mit einem Festgottesdienst wurde das 850-jährige Bestehen des Domkapitels gefeiert. Foto: ddpFoto: ddp

Brandenburg/Havel – 850 Jahre existiert das Domkapitel in der Havelstadt Brandenburg. Nun feiert die „Mutter aller märkischen Kirchen“ dieses Jubiläum – und damit die Geburtsstunde der Mark Brandenburg. An das Jubiläum erinnerten am Sonnabendnachmittag ein Festgottesdienst und die Eröffnung einer Ausstellung über Höhen und Tiefen dieses Gotteshauses. Ein Blick in die große Festgemeinde vor und im Dom bewies, welche Bedeutung das Gebäude für die Stadt hat. Eine Gemeinschaft aus Geistlichen und Laien fühlt sich der Sanierung der Bausubstanzwie der Vielfalt des geistlichen und kulturellen Lebens im Dom verpflichtet.

„Macht und Frömmigkeit“ heißt die Ausstellung, sie zeigt bedeutende Kunstwerke von der ottonischen Zeit bis in die jüngste Vergangenheit – darunter als besondere Raritäten eine romanische Grabstele, die erst im vergangenen Jahr bei Ausgrabungen entdeckt worden war, das Original der Gründungsurkunde von 948 und das Brandenburger Evangelistar aus der Zeit um 1200.

„Als Bischof Wilmar, der von 1161 bis 1173 lebte, das Domkapitel Brandenburg gründete und an der heutigen St. Gotthardtkirche ansiedelte, knüpfte er an eine schon im Jahre 948 begonnene Tradition an“, sagt Rüdiger Freiherr von Schnurbein, der Leiter des Dommuseums. Damals hatte Otto der Große das Bistum Brandenburg als einen Ausgangspunkt der Slawenmission gegründet. Das Scheitern der ottonischen Ostpolitik 983 brachte aber auch das Ende des Bistums mit sich. Es dauerte fast 150 Jahre, bis ein Neuanfang gelang. Wie die Ausstellung zeigt, musste sich diese älteste Institution im Land Brandenburg immer gegenüber den Herrschenden behaupten. In vier Kapiteln illustrieren 60 Exponate die wechselvolle Geschichte des Domkapitels. Eine reich verzierte Ahnentafel des Friedrich August Alexander Graf von Kalnein von 1772, mit der die Eltern des erst Dreijährigen dessen Anspruch auf ein Domherrenamt geltend machen, belegt den Wandel des Domkapitels zur „Versorgungseinrichtung des märkischen Adels“. Als „Polster der Trägheit“ geißelte Freiherr von Hardenberg die Vergabe der Stellen nach Geburt und nicht nach Verdienst. Im Statut von 1826 ließ Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. aber die Vergabe als Belohnung für treues Untertanentum festschreiben.

Etwas kurz wird die Geschichte des Domkapitels im 20. Jahrhundert behandelt. Es fehlen anschauliche Exponate. Während der Weimarer Republik wurde es in eine staatliche Stiftung verwandelt, während die Nazis hier „deutschchristliche Würdenträger“ abschoben. 1947 erhielt die Kirche das Domkapitel zurück. Nach der Wende begann ein umfangreiches Restaurierungsprogramm, das aber noch immer nicht abgeschlossen ist.

„Macht und Frömmigkeit – 850 Jahre Domkapitel Brandenburg“: bis 30. Oktober Mo. bis Sa. 10 bis 17 Uhr, von Mai bis September Mi. nur bis 12 und sonntags 11.30 bis 17 Uhr. www.850-brandenburg.de

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