Berlin : Das Geheimnis der Ursuppe

Innerhalb kurzer Zeit haben Mikroorganismen die junge Erde erobert. Leben gibt es vermutlich aber auch anderswo im Universum

Thomas de Padova

Überall auf der Erde wimmelt es von Lebewesen: im Wasser und kilometertief im Boden, unter dem Eis der Antarktis und an Vulkanschloten. Es ist erstaunlich, wie anspruchslos Organismen sind, dass sie auch die entlegensten Winkel unseres Planeten zu besiedeln vermögen.

Das Leben hat die Erde schnell erobert. Unser Planet entstand vor 4,5 Milliarden Jahren (also Anfang September, wenn man die 13,7 Milliarden Jahre seit dem Urknall bis heute auf ein Kalenderjahr umrechnet). Nur drei Wochen später, noch immer im September, tauchten die ersten Blaualgen in der Ursuppe, in Meeren und Seen auf. Vielleicht sogar früher. Nur haben Forscher bisher noch keine Lebensspuren finden können, die älter sind als 3,8 Milliarden Jahre.

Der Übergang von der unbelebten zur belebten Welt ist bis heute rätselhaft. Viele lebenswichtige Stoffe waren auf der Erde von Beginn an vorhanden. Es gibt sie überall im Kosmos. Allein in Meteoriten hat man 70 verschiedene Aminosäuren gefunden. Wie diese Baustoffe, wie Tausende Moleküle zusammenfanden, dass sich Organismen entwickelten, die sich Generation um Generation fortpflanzten, ist unverstanden. Womöglich hat es noch einmal Millionen Jahre gedauert, ehe die ersten Lebensformen einen genetischen Code hervorbrachten, mit dem sie sich derart schnell und präzise vermehren konnten wie heutige Mikroben.

Die Stoffkreisläufe, die das Leben ausmachen, sind aber vermutlich universeller Natur – im doppelten Wortsinn. „Das Leben ist in sehr kurzer Zeit entstanden“, sagt der Astrophysiker Günther Hasinger. „Für mich ist das ein Anhaltspunkt dafür, dass es Leben auch anderswo im Weltall gibt.“ Bislang kennt man nur einen belebten Planeten: die Erde. Doch wir schauen auf Abermilliarden Sterne, von denen viele ebenfalls Planeten als Begleiter haben. Wenn man etwa den Ring zahlloser Sterne betrachtet, die um die ungewöhnliche Hoags-Galaxie in der obigen Aufnahme kreisen, fällt es schwer, an die Einzigartigkeit des Sonnensystems und der Erde zu glauben. Zumindest primitive Lebensformen könnten an vielen anderen Orten im Kosmos existieren.

Die uns bekannten Mikroorganismen sind so genügsam und aktiv, dass sie einen Planeten wie die Erde nach und nach völlig umgestalten können. Bis auf der Erde erste komplexe Lebewesen entstanden und erstmals Tiere an Land gingen, vergingen aber noch einmal mehr als drei Milliarden Jahre. Davon morgen mehr.

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