Berlin : Das Holocaust-Mahnmal wird begrünt

Bäume und Sträucher in den Ausläufern des Stelenfeldes sollen die Gedenkstätte mit dem Tiergarten verbinden

Claudia Keller

Die grauen Stelen des Denkmals für die ermordeten Juden Europas gegenüber dem Tiergarten bekommen einen grünen Saum. An den Ausläufern des Stelenfeldes zur Ebertstraße hin werden seit gestern 42 Bäume und Sträucher gepflanzt. Sie sollen, so der Entwurf von Architekt Peter Eisenman, einen sanften Übergang zum Tiergarten schaffen.

Die Laub- und Nadelgewächse, darunter Kiefern und Linden, aus den USA stammende Geweihbäume und weiß blühende Felsenbirnen-Sträucher werden zwischen die letzten Stelenreihen in Betonkästen voller Erde gepflanzt. „Das Stelenfeld fängt im Stadtraum an, was im Bürgersteig zu sehen ist, macht eine doppelte Welle und geht wieder in den Stadtraum über“, sagt Mahnmals-Sprecher Uwe Neumärker über die Wirkung, die sich die Planer von der Begrünung versprechen. Um einen fließenden Übergang des 19000 Quadratmeter großen Gedenkstätten-Areals zur Stadt zu schaffen, werden nicht nur Bäume an den Rändern gepflanzt, sondern auch so genannte Nullstelen ringsherum in die Bürgersteige an den vier begrenzenden Straßen eingelassen. Sie sind flach, heben sich aber durch die andere Beschaffenheit und die Farbe ihrer Oberfläche von den restlichen Pflastersteinen ab.

Auf Zäune und Stacheldraht als Begrenzung will man ebenso verzichten wie auf Suchscheinwerfer. „Das Denkmal soll für alle Bürger offen sein, damit jeder hineinspazieren kann“, sagt Mahnmals-Sprecher Neumärker.

Gestern fehlte nur noch eine einzige der mehr als 2700 Betonstelen. Sie soll am 15. Dezember im Beisein von Mahnmals-Architekt Peter Eisenman und Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) aufgestellt werden. Unter Hochdruck wird auch an dem unterirdischen Ort der Information in der südöstlichen Ecke des Stelenfeldes gearbeitet. Der Innenausbau soll bis Ende des Jahres fertig sein. Die Beleuchtung und die elektronischen Details für die vier Räume und Foyers werden aber erst im Frühjahr installiert sein. In dem über zwei Treppen und einen Fahrstuhl erreichbaren Bau soll auf 800 Quadratmetern an einzelne Opfer und ihre Schicksale sowie an die Vernichtungslager erinnert werden.

Die feierliche Einweihung des Mahnmals ist für den 10. Mai kommenden Jahres geplant, zwei Tage nach dem 60. Jahrestag des Kriegsendes. Die Bauarbeiten für das Mahnmal hatten im April vergangenen Jahres begonnen, die Kosten belaufen sich auf rund 27 Millionen Euro.

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