• „Das ist und bleibt ein fürchterliches Getränk“ Horst Buchholz über Coca-Cola, Billy Wilder und „Eins, Zwei, Drei“

Berlin : „Das ist und bleibt ein fürchterliches Getränk“ Horst Buchholz über Coca-Cola, Billy Wilder und „Eins, Zwei, Drei“

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In Billy Wilders Komödie „Eins, Zwei, Drei“ von 1961 spielte die koffeinhaltige Brause aus Amerika eine wichtige Nebenrolle. James Cagney wollte als Chef der deutschen CocaCola- Filiale den Osten erobern, seinen kommunistischen Gegenspieler gab Horst Buchholz.

Gut vierzig Jahre nach „Eins, Zwei, Drei“ verlegt Coca-Cola seine Deutschland-Zentrale nach Berlin. Freut Sie das?

Natürlich. Ich als Berliner freue mich sehr darüber. Das hat hoffentlich Symbolwirkung und zieht weitere Unternehmen an.

Damals wie heute gilt Coca-Cola als Symbol für den amerikanischen Lebensstil. Bewegt es Sie, dass der Konzern jetzt ganz in die einstmals geteilte Stadt zieht?

Nein, persönlich berührt es mich nicht. Wir hatten ja schon damals ein ironisches Verhältnis zu Cola. So hatte sich Billy Wilder ausgedacht, dass in der Schluss-Szene am Flughafen Tempelhof die Kinder von James Cagney Cola haben wollten. Also geht er zur Coca-Cola-Maschine, wirft eine Münze rein – und was kommt raus? Eine Pepsi! Später habe ich mal den Besitzer von Coca-Cola getroffen. Der sagte: Ihr Film war ja ganz gut – bis auf das Ende.

Waren Sie je ein Cola-Fan?

Nein, ich habe das Zeug nie getrunken.

Wieso?

Ich halte das gesundheitlich für schlecht.

Aber dieses Getränk war doch in den Sechzigern das Symbol des freien Westens und der USA, von denen auch Sie geträumt haben…

Ja, schon. Aber für mich ist und bleibt es ein fürchterliches Getränk.

In „Eins, Zwei, Drei“ sagen Sie, der Kapitalismus sei wie ein toter Fisch: Er glänzt, aber stinkt. Geht’s Ihnen etwa so auch mit Cola?

So weit würde ich nicht gehen. Ich will es mir ja mit den jungen Leuten nicht verderben, die das Getränk lieben.

Was trinken Sie denn stattdessen?

Wasser, Wein oder Wodka. Aber Cola habe ich nie angerührt. Und was den amerikanischen Traum angeht: Da waren für mich die Jeans wichtiger als Symbol für die USA.

Das Gespräch führte Lars von Törne.

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