Berlin : Das Jahrhundertwerk

Potsdamer Platz: Symbol des neuen Berlins, bunteste Baustelle, Aushängeschild

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Der Krieg hatte am Potsdamer Platz ein Nichts hinterlassen: trostlose Öde zwischen Huth-Haus und Hotel Esplanade, und davor stand die Mauer. Schon vor ihrem Fall 1989 hatte Daimler-Chef Edzard Reuter die Idee, das Areal für den Autokonzern zu erwerben, um es zu bebauen. 1991 ist der städtebauliche Ideenwettbewerb Potsdamer/Leipziger Platz Auftakt zur Erneuerung der wiedervereinten Stadt. Am 11. Oktober 1993 heben der damalige Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen und Daimler-Vorstandsmitglied Manfred Gentz mit Baggerführer Siegfried Kirsch die ersten Kubikmeter Erde aus. Ein Jahr später, 1994, laben sich 2000 Gäste am Prosecco bei der Grundsteinlegung für das Vier-Milliarden-Projekt nach Plänen einer Reihe prominenter Architekten mit Renzo Piano, Christoph Kohlbecker, Arata Isozaki und Hans Kollhoff an der Spitze. Im Oktober 1995 steht plötzlich auf dem noch unbebauten Leipziger Platz eine rote Info-Box mit einer Aussichtsplattform als ideale Schaustelle zur Baustelle: Millionen neugierige Berliner und Touristen blicken von dort oben staunend in die tiefsten Baugruben der Stadt. 1,2 Meter starke und bis zu 25 Meter tiefe Schlitzwände werden ausgehoben und mit Beton verfüllt. Im Baustellensommer 1995 tanzt ein Ballett zu spektakulären Lichteffekten, im Frühjahr 1996 sind bis zu 80 Bautaucher im Einsatz, um in den vier Bauseen die Einbringung der 2000 Auftriebsanker für die Unterwasserbetonsohle zu kontrollieren. Im August 1996 strömen die Berliner auf die riesige Baustelle: Besichtigungstouren und Kulturelles wie das Gastspiel der „Batsheva Dance Company“ aus Israel sind im Handumdrehen ausverkauft. Am 26. Oktober 1996, zum Richtfest, dirigiert Maestro Barenboim einen „Tanz der Baukräne“. Josef Haydns „Schöpfung“ erklingt im Mai 1997 im Atrium des Renzo-Piano-Gebäudes, in dem sich die Zentrale des Bauherrn debis befindet. Sie wird im ersten neuen Gebäude am Platze am 24. Oktober 1997 eingeweiht. Und am 2. Oktober 1998 ist Daimler-City komplett fertig. Zusammen mit dem gegenüberliegenden Sony-Center wird der neue, architektonisch nicht unumstrittene Ort ein Platz der Begegnung, des Konsums und der Unterhaltung. Imax-Kino und Musical-Theater, die Arkaden, dieses Warenhaus mit 50 000 Quadratmetern, insgesamt 19 Gebäude, über 100 Geschäfte, 30 Restaurants und Bars und dazu noch neue Bahnhöfe: Das Jahrhundertwerk hat sich gelohnt. Lo.

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