Berlin : „Das kann so nicht weitergehen“ Wie türkische Blätter über

die Islamkonferenz berichten

Suzan Gülfirat

Am vergangenen Dienstag tagte die zweite Islamkonferenz in Berlin. Vertreter des Staates und der Muslime stritten weiter darüber, wer das Recht hat, für die mehr als drei Millionen Muslime in Deutschland zu sprechen. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble sah trotz allem einen Erfolg in dieser Konferenz. Für die türkischen Zeitungen gab es viel zu berichten.

Zum Beispiel fragte die „Hürriyet“ die türkische Seite am Freitag nach ihrer Meinung. „Die Angriffe auf den Islam können die Konferenz spalten“, titelte die Zeitung dazu, wobei dies ein Zitat eines Muslim-Vertreters war. „Die zweite Sitzung der Islamkonferenz konnte niemanden zufriedenstellen. Die Erwartungen wurden nicht erfüllt“, resümierte das Blatt in den Unterzeilen des Anrisses. Und auch die Fortsetzung im Innenteil verhieß nichts Gutes. „Manche Teilnehmer haben vorgeschlagen, dass der Koran neu interpretiert wird. Der Koran ist jedoch einzigartig“, zitierte die Zeitung „Bekir Alboga“ von der türkisch-islamischen Ditib im Text. Auf die Frage, ob seine Organisation aus der Konferenz austreten wolle, habe er geantwortet: „Wir können darüber nachdenken, wenn die Ministerseite sich parteiisch zeigt.“ Daraus machte die „Hürriyet“ die Überschrift: „Wenn die Angriffe auf den Islam andauern, werden wir austreten.“ Über die Zitate anderer Muslim-Vertreter schrieb die „Hürriyet“: „Das kann so nicht weitergehen.“

Auf der anderen Seite kam die türkisch-säkulare Seite zu Wort. Autorin Necla Kelek fragte provokant: „Wo steht das geschrieben, dass eine Siebenjährige Kopftuch tragen muss?“ Anwältin Seyran Ates sagte: „Ich bin absolut dagegen, dass die Ditib Religionsunterricht an Schulen erteilt.“ Kenan Kolat von der Türkischen Gemeinde kritisierte zudem die Mitglieder des neu gegründeten Koordinierungsrates der Muslime in Deutschland (KRM), deren Anerkennung als legitime Sprecher der Muslime in Deutschland strittig ist. „Sie fangen ihre Reden mit den Worten ,Wir Muslime‘ an. Damit sprechen sie für alle. Wir haben dagegen protestiert“, sagte Kenan Kolat. Seine Organisation gründe derzeit eine Arbeitsgruppe „Religion“. Darin sollen auch Theologen klären, wie mit den Fragen zum Kopftuchzwang und zum gemeinsamen Sportunterricht umzugehen ist.

Anders sah das Bild in der religiösen „Türkiye“ aus. „Hoffnungsvolle Stimmung in Deutschland“, schrieb die Zeitung über ihrem Bericht. „Die Teilnehmer der zweiten Sitzung der Islamkonferenz sind mit den Ergebnissen zufrieden. Die muslimischen Teilnehmer sind zufrieden, dass die KRM akzeptiert ist, zugleich sind sie dafür, dass die Islamkonferenz fortgesetzt wird.“

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