Berlin : "Das neue russische Berlin": Das russische Feld, ein weites Feld

Amory Burchard

"Das neue russische Berlin" ist anders als das legendäre Charlottengrad der 20er Jahre. Die Russen, die nach der Oktoberrevolution gen Westen flohen, wollten in Berlin den erhofften baldigen Sturz des Lenin-Regimes abwarten. Wer Ende der 80er Jahre aus der Sowjetunion nach Berlin kam, will bleiben. Was heute den Reiz der Stadt in der Stadt ausmacht, haben die russischen, in Berlin lebenden Autorinnen Maria Chevrekouko und Ludmila Kusnezowa zusammengetragen.

Gemeinsam ist den heute in Berlin lebenden 100 000 Russen, Wolgadeutschen, Juden, Kaukasiern und Tataren die russische Muttersprache, die sowjetische Biographie und die Liebe zur russischen Kultur. Diese pflegen sie in zahllosen Vereinen, Galerie- und Theaterprojekten. Wie "russisch" die Treffpunkte sind und wie weit sie sich für andere Gäste geöffnet haben, kann erkundet werden. Lebensmittelgeschäfte wie das "Anastasia" in der Reinhardstraße 8 (Mitte), Cafés wie das "Voland" in der Wichertstraße 63 (Prenzlauer Berg) oder Galerien wie "Das russische Feld" in der Chausseestraße 35 (Mitte) sind ohnehin für ein internationales Publikum attraktiv. Wer noch Russisch lernen will, findet Schulen mit diesem Sprachschwerpunkt und Universitäten fürs Slawistik-Studium.

Das Büchlein ist als ausführlich kommentiertes Adressenverzeichnis konzipiert. Zu den Bereichen Wirtschaft, Medien, Religion, Kunst, Bildung, Unterhaltung und Alltag werden in dem übersichtlichen und zweisprachigen Nachschlagewerk alle wichtigen Verbände, Vereine, Institute und Läden vorgestellt. Die Probleme, die die große russischsprachige Gemeinde in Berlin tatsächlich hat oder die in sie hineingeheimnist werden, werden ausgespart. Arbeits- und orientierungslose russlanddeutsche Jugendliche und Halbweltgeschäfte haben in Veröffentlichung der Marketingagentur Partner für Berlin naturgemäß keinen Platz.

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