Berlin : Das Puzzle ist zusammengesetzt

Montag beginnt der Prozess um den spektakulären Kunstraub im Brücke-Museum. Vier Männer raubten im April neun Gemälde

Katja Füchsel

Zu seinem Coup rückte das Duo mit eher einfachem Gerät an: Über die Kameras stülpten die beiden Tüten und Pappkartons, die Alarmanlage verklebten sie mit Bauschaum und stiegen dann durchs Fenster ins Brücke-Museum ein. Als die durch einen „stillen Alarm“ informierte Polizei am Bussardsteig vorfuhr, waren Milenko F. und Ivan P. längst verschwunden. Mit ihnen neun Gemälde von Erich Heckel, Emil Nolde, Ernst Ludwig Kirchner und Max Pechstein im Gesamtwert von 3,66 Millionen Euro.

Ab Montag wird der spektakuläre Blitzeinbruch vor dem Landgericht verhandelt. Im Saal 700 sitzen neben den beiden mutmaßlichen Einbrechern noch Bratislav S. und Petar B. auf der Anklagebank. Die Staatsanwaltschaft wirft den Männern schweren Bandendiebstahl und gewerbsmäßige Hehlerei vor. Ein Urteil wird erst am 20. Januar erwartet.

Nach vier Wochen Puzzlearbeit war die Polizei der Bande auf die Schliche gekommen. Der 44-jährige Bosnier F. und der 28-jährige Jugoslawe P. sollen laut Anklage für den Einbruch zuständig gewesen sein, der 23-jährige S. die Beute anschließend verwahrt haben und der 36-jährige B. für den Verkauf zuständig gewesen sein. Das System des Einbruchs-Duos war allerdings nicht perfekt: Wenige Tage nach dem Coup fasste die Polizei die zwei, als sie gerade in ein Optiker-Geschäft in Wedding eingestiegen waren. Was für ein Fang das war, ahnte damals noch niemand. Erst Wochen nach der Festnahme konnten die Ermittler mit DNA-Tests nachweisen, dass eine im Museum und im Fluchtauto gefundene Blutspur von Ivan P. stammt.

Es war der Morgen des 20. April 2002, als die beiden Einbrecher morgens gegen 5 Uhr in der Grunewalder Sackgasse vorfuhren. Das Auto hatten sie drei Tage zuvor gestohlen. Nachdem sie in das damals noch mangelhaft gesicherte Museum eingestiegen waren, benötigten die Diebe nur wenige Minuten, um die kunsthistorisch bedeutsamen expressionistischen Werke von den Wänden in die mitgebrachten Taschen zu packen.

Drei Tage nach dem Einbruch nahmen die Fahnder eine erste Spur auf. In Zehlendorf fand die Polizei das Fluchtauto. Es war zwar leer, doch für Kriminalwissenschaftler fanden sich wertvolle Spuren. Zwei Tage später fischte die Polizei die zerlegten Rahmen der Bilder aus der Spree. Vier Wochen nach dem Einbruch stellten die Ermittler in einer Wohnung in Tempelhof die Bilder sicher. Sie lagen aufgerollt in einer Tasche. Pechsteins „Junges Mädchen“ hatten die Täter in der Mitte durchgeschnitten, eine Hälfte fehlte.

Mitte Juni fand die Polizei den Rest des Gemäldes in einem Waldstück an der Bundesstraße 96 südlich von Berlin. Es steckte in einem Müllbeutel. Gute Nachricht: Die Gemälde lassen sich problemlos restaurieren. Selbst auf dem zerschnittenen Bild wird der Riss dann nicht mehr zu sehen sein.

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