Berlin : Das Rennen um das Theater des Westens ist eröffnet

Matthias Oloew

Eine Perle liegt ab heute auf dem Tablett. Die Perle ist das Theater des Westens, das Tablett sind zwei Zeitungsannoncen, in denen der Senat weltweit einen Käufer für die landeseigene Theater-des-Westens-GmbH sucht. Bis zum 28. November, 18 Uhr, haben potenzielle Bewerber Zeit, sich, ihr Konzept, und ihre finanziellen Rücklagen bei der Finanzverwaltung darzulegen. Die Belegschaft muss für mindestens ein Jahr weiterbeschäftigt werden. Wer sich dazu bereit erklärt, hat die Chance, die GmbH und damit die Musical-Bühne zu übernehmen.

Zwei Bewerber preschen vor: die Stella, die im Besitz der Deutschen Entertainment AG und damit des lokalen Platzhirschen Peter Schwenkow ist, und die Stage Holding Deutschland, Tochter des niederländischen Musicalkonzerns von John de Mol und Joop van den Ende. Die Stella betreibt mehrere Theater deutschlandweit und lässt seit fast zwei Jahren in Berlin den "Glöckner von Notre Dame" spielen. Die Stage Holding ist in Hamburg und Essen vertreten und hat im März 2001 das Metropol-Theater an der Friedrichstraße für den symbolischen Preis von einem Euro übernommen.

Beide haben großes Interesse am Theater des Westens. Die Stella, weil sie sich Synergien mit dem "Glöckner"-Theater erhofft, die Stage-Holding, weil sie das Metropol umfangreich sanieren muss und frühestens Ende 2003 dort spielen kann. "Wir wollen aber schneller loslegen", sagte Stage-Holding-Geschäftsführer Maik Klokow dem Tagesspiegel. Das Theater käme gerade recht. Das Haus ist in gutem Zustand und mit 1400 Sitzplätzen wirtschaftlich attraktiv.

Mit dem Intendant des Theaters, Elmar Ottenthal, verhandelt der Aufsichtsrat der GmbH derzeit. Deren Vorsitzende und Kultur-Staatssekretärin Alice Ströver will über den Stand der Dinge nichts sagen. Nach Informationen des Tagesspiegels wird der Vertrag aufgelöst, Ottenthal abgefunden. Bereits gestern hat das Haus die für den März 2002 geplante Premiere der Eigenproduktion "Excalibur" abgesagt (wir berichteten).

Alice Ströver erwartet, dass sich mehrere Investoren melden: "Wir hoffen, andere als die üblichen Verdächtigen in die Stadt zu holen." Fest steht: Sollten Stella oder Stage Holding das Haus übernehmen, lässt deren Interesse an der Übernahme des Schiller-Theaters nach. Aber das, so Alice Ströver, werde in den nächsten Jahren sowieso nicht verkauft: "Wir brauchen das Haus als Ausweich-Theater für die Umbauten an anderen Häusern."

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