Berlin : Das Schloss kostet schon jetzt ein Vermögen

Der Förderverein zum Wiederaufbau irritiert seine Spender. Was passiert mit den Millionen?

Klaus Kurpjuweit,Christian van Lessen

Seit Jahren sammelt der „Förderverein Berliner Schloss“ Geld für den Wiederaufbau des Anfang der 50er Jahre gesprengten Gebäudes. Ausgerechnet jetzt, wo der Abriss des Palastes der Republik bevorsteht und die Wiederaufbaupläne des Schlosses konkreter werden, ist der Förderverein ins Zwielicht geraten. Es sei unklar, wie die bisherigen Spenden verwendet worden seien und für was die künftigen überhaupt ausgegeben werden könnten, schrieb die „Zeit“. Vereinsgeschäftsführer Wilhelm von Boddien wies die Zweifel zurück. Die Internet-Seite des Vereins brach gestern zusammen.

Fest steht, dass der angestrebte Wiederaufbau des Schlosses über Spenden erheblich schwieriger zu finanzieren ist als beispielsweise bei der Frauenkirche in Dresden. Dort war die Ruine als Denkmal eingestuft. Spenden für den Wiederaufbau waren daher steuerlich absetzbar. Vom Schloss dagegen ist nichts mehr vorhanden, deshalb werde ein Verein mit dem Wiederaufbauziel nicht als gemeinnützig anerkannt, so Boddien. Um dies auszugleichen, habe man bereits 2003 in Absprache mit der Finanzverwaltung die Satzung geändert und auch die – förderungswürdigen – Ziele Volksbildung und Kultur aufgenommen. Förderungswürdig sei in den Vorjahren auch die Schloss-Ausstellung gewesen.

Dies wiederum hat Geldgeber irritiert, die für den Wiederaufbau, aber nicht für eine Ausstellung spenden wollten. Irritationen soll es deshalb auch beim Finanzamt gegeben haben, das nach Angaben einer Spenderin die steuerliche Abzugsfähigkeit nicht anerkannt hat. Die Finanzverwaltung berief sich auf das Steuergeheimnis und machte dazu keine Angaben.

Der Verein hat nach Boddiens Angaben bisher 3,4 Millionen Euro an Spenden erhalten, für weitere 8 Millionen Euro gebe es feste Zusagen. 1,9 Millionen Euro seien derzeit als Festgeld angelegt. 1,5 Millionen Euro seien bisher ausgegeben worden – unter anderem für Informationsschriften, aber auch für die ersten Modelle der Fassadengestaltung. Honoriert worden ist auch der Architekt Rupert Stuhlemmer, der zeitweise im Vereinsvorstand saß. Diese Zahlungen an den Experten für Rekonstruktionen seien vertraglich geregelt, so Boddien. Er selbst, der nach der Insolvenz seiner Firma, die mit Landmaschinen gehandelt hatte, hauptberuflicher Geschäftsführer des Vereins ist, erhält ein Gehalt „zwischen 50 000 Euro und 100 000 Euro“. Die Verwaltungskosten erreichten 2005 demnach einen Anteil von 15,3 Prozent der Ausgaben. Ein Jahr zuvor waren es noch 25 Prozent. Bei gemeinnützigen Vereinen darf der Verwaltungsanteil 35 Prozent nicht überschreiten.

Die Gemeinnützigkeit des Fördervereins sei nicht strittig, versicherte gestern Frank Pippig von der Finanzverwaltung. Die Behörde habe das Satzungsziel und die Geschäftsberichte regelmäßig geprüft und „keine Erkenntnisse, dass irgendwas nicht stimmt“. Aus der Finanzverwaltung wurde lediglich bekannt, dass es vor einigen Monaten mit Wilhelm von Boddien Gespräche über die „steuerliche Abwicklung von Geschäften“ gab. Dabei soll es um die mögliche Übergabe von Fassadenteilen an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz und eine künftige Mietminderung der Stiftung gegangen sein. Aber auch das stellt die Gemeinnützigkeit nach Ansicht der Behörde nicht in Frage.

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz teilte gestern mit, sie prüfe einen Vorschlag des Fördervereins, Spenden in irgendeiner Form, also auch als Fassadenteil, zu empfangen, aber darüber gebe es noch keine Entscheidung, zumal ein Konzept oder gar ein Startschuss für den Wiederaufbau des Stadtschlosses fehlten.

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