Berlin : Das schmutzige Geschäft mit der WM

Polizei rechnet mit mehr Fällen von Zwangsprostitution. Fußball-Bund lehnt Beteiligung an Kampagne gegen Menschenhandel ab

Tanja Buntrock

Zwangsprostitution und Frauenhandel – Begriffe, die nicht so recht zu einem fröhlichen Fest wie der Fußball-WM passen wollen. Doch die Zahl gerade dieser Verbrechen wird steigen, wenn das Großereignis im Juni nächsten Jahres nach Berlin kommt. Dies befürchten Polizei und Frauenverbände. „Wir haben Erfahrungswerte von den Olympischen Spielen in Athen“, sagt Ulrike Hellwerth vom Deutschen Frauenrat. „Dort gab es schlagartig mehr Frauen, die zur Prostitution gezwungen wurden.

Die Polizei rechnet mit Ähnlichem in Berlin. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass dort, wo Prostitution angeboten wird, auch Menschenhandel stattfindet“, sagt die Dezernatsleiterin für Rotlicht- und Schleusungskriminalität, Heike Rudat. Dass es mehr Prostituierte während der WM gebe, sei ohnehin klar. „Das allein ist ja noch nicht strafbar“, sagt sie. Anders allerdings sieht es aus, wenn es dabei um Zwangsprostitution geht.

Der Frauenrat, in dem Frauenrechtsorganisationen mitwirken, hatte sich bereits vor einiger Zeit an den Deutschen Fußball-Bund (DFB) gewandt, um Unterstützung für eine Kampagne gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution zu erhalten. Die Antwort war eindeutig: Der DFB befasse sich nicht mit dieser „leidigen Angelegenheit“, beschied Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder. Man werde Aktivitäten im sozialen Bereich wie Unicef und die SOS-Kinderdörfer unterstützen. DFB-Sprecher Harald Stenger sagte dem Tagesspiegel, dass die Formulierung „etwas unglücklich“ gewesen sei. Die Kampagne halte der DFB „für sehr wichtig und unterstützenswert“. „Doch bei der Vielzahl der Anfragen, die uns erreichen, können wir nicht auf jede Aktivität eingehen“, sagte Stenger.

Um das Vorgehen gegen das kriminelle Rotlichtmilieu abzustimmen, gibt es Anfang November erstmals einen „runden Tisch“: Mit dabei sind neben den Experten der Kripo auch Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle für Prostituierte „Hydra“ sowie von „Ban Ying“, einem Hilfsangebot für Frauen, die Opfer von Zwangsprostitution geworden sind.

Über das speziell für die Fußball-WM erarbeitete „polizeiliche Konzept“ will Kriminaldirektorin Heike Rudat nichts verraten. Man werde sich aber um die Rotlichtkriminalität verstärkt kümmern – unter anderem mit Kontrollen in Bordells. Geprüft werde noch, ob dafür mehr Personal eingesetzt wird. Im vergangenen Jahr wurden 73 Fälle von Menschenhandel bekannt. Doch die Zahl der „tatsächlichen Fälle“ sei höher, sagt Rudat. „Viele dieser Fälle werden strafrechtlich unter gewerbs- und bandenmäßiger Einschleusung von Ausländern geführt“. Eine seriöse Zahl kann Rudat nicht nennen. Doch klar sei auch, dass nicht alle Opfer, die gezwungen werden, sich zu prostituieren, sich bei der Polizei melden.

Vor dem Mauerfall waren es vor allem ostasiatische Frauen, die nach Berlin kamen. Zu Beginn der neunziger Jahre sind es vermehrt Frauen aus Osteuropa, die mit falschen Versprechungen nach Deutschland gelockt werden. „Entweder man stellt ihnen einen Job als Putz- oder Barfrau in Aussicht und nimmt ihnen dann den Pass ab. Oder aber, die Frauen arbeiten in ihren Heimatländern schon als Prostituierte und müssen hier unter anderen Bedingungen arbeiten“, sagt Rudat. „Beispielsweise müssen sie sich 24 Stunden bereithalten, dürfen keinen Freier ablehnen und werden so gering bezahlt, dass sie regelrecht ausgebeutet werden“, sagt Rudat. Hier angekommen, sind häufig nicht nur körperlicher, sondern auch psychischer Gewalt ausgesetzt. So erpressen viele Zuhälter die Frauen damit, dass man den Familien in der Heimat etwas antun werde.

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