Berlin : Das Unternehmen "Lucefer" knüpft erfolgreich an alte Traditionen an

Nora Sobich

Es gibt Bewegungen, die sind so kindisch schön, dass man sie gar nicht oft genug machen kann - auf den Fahrstuhlknopf drücken, den Deckel eines Filzstiftes auf- und absetzen, in den Leerlauf des Rennrades treten oder das Scherengitter, auf dem früher bei der Großmutter einmal das Telefon stand, auseinander- und wieder zusammenziehen.

Die Designer Oliver Michl und Patrick Frieling haben das praktische System der Fünfziger Jahre aufgegriffen und zur Basis ihrer schwebenden Lampen erhoben, die durch die Selbstverständlichkeit ihres schlichten Entwurfs bestechen.

Die wie Schifferklaviere auseinanderziehbaren Leuchten passen sich unterschiedlichen Raumverhältnissen an, ohne dass jemand geblendet wird oder mit der Nase im Dunklen sitzt. Sie eignen sich für kleine und große Tafelrunden, Konferenztische, begrenzte Arbeitsflächen. "Ich habe mir aber abgewöhnt zu sagen, "die Lampe ist für dies oder das.", meint Oliver Michl. Die pfiffige Auferstehung des klassischen Systems aus Wirtschaftswundertagen ist seit Anfang des letzten Jahres patentiert und auch mehrfach ausgezeichnet worden, so vom Design Zentrum Westfalen für hohe Design-Qualität.

Sitz der erfolgreichen jungen Firma "Lucefer", die Anlehnung an den Lichtbringer und Sohn der römischen Göttin Aurora benannt ist und inzwischen acht Mitarbeiter beschäftigt, ist die Strelitzer Straße in Berlin-Mitte. Im Vorderhaus wird es ab Anfang September einen Show-Room geben. Im Hinterhaus wird auf drei Etagen, in denen sich früher einmal die älteste Papierfabrik Berlins befand, entworfen, montiert und verschickt.

Die Designer haben sich während des Industriedesign-Studiums am Artcenter Europe in Montreux kennengelernt, machten ihre ersten gemeinsamen Entwürfe im oberfränkischen Selb und leben seit einem Jahr in Berlin.

Drei verschiedene Modelle mit Scherengitter-System haben Michl und Frieling bisher auf den Markt gebracht. "fleXXXibile" heißt ihr erster Typ, eine Hängelampe, die sich von 25 auf 110 Zentimeter auseinanderziehen lässt und auch höhenverstellbar ist. Zwischen dem Scherengitter aus eloxiertem Aluminium sitzen zehn Soffittenlampen, die mit ihren zwölf Volt ein warmes, weiches Licht geben.

Das Modell "eCCCo", das für das "Designjahrbuch 1999" ausgewählt wurde, wirkt leichter - schwebt durch den Raum wie ein flüchtig filigraner Himmelskörper. Über die Soffittenlampen sind weiße Lexan-Schirmchen gestülpt, die sich wie die Flügel eines Vogels ausbreiten können.

"Lucefer" knüpft an alte Traditionen an. Obwohl die Lampen mit ihrem technischen Erscheinungsbild modern wirken, bestehen sie aus Einzelteilen, die es schon seit Jahrzehnten gibt. "Ästhetik entsteht nicht nur im Moment", meint Michl. Auf der Frankfurter Messe wird jetzt das Modell "oXXXo" vorgestellt, das mit zwei Schirmen an den Enden des Scherengitters eher an traditionelle Lampenformen erinnert und auch für 220 Volt Energiesparleuchten geeignet ist.

Auf eine bunte Farbgebung haben die Designer bislang verzichtet, auch auf Chrom, dessen glatte Oberfläche ihnen zu steril und leblos aussieht. Für ihre Standardleuchten verwenden sie eloxiertes Natur-Aluminium. Alle Modelle sind aber auch in Sonderanfertigungen erhältlich, mit einem Scherengitter aus Messing oder vernickelt, längenverstellbar auf 3 Meter 60, mit Porzellanisolatoren oder in der besonders feinen Ausführung: mit Ziegen- oder Kalbspergamentschirmen.Lucefer, Strelitzer Straße 2, 10115 Berlin-Mitte, t 44 31-93 30. Von Oktober an im Internet unter www.lucefer.de .

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