DDR-Vergangenheit : Wenn die Vergangenheit aufholt

Einer war beim Grenzschutz, ein anderer bei der Stasi - gesagt haben sie beide nichts. Wenn Jugendsünden zu politischen Zeitbomben werden. Ein Kommentar.

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Wenn Politiker ihre Vergangenheit vertuschen, zahlt sich das selten aus.
Wenn Politiker ihre Vergangenheit vertuschen, zahlt sich das selten aus.Foto: Rainer Jensen dpa/lni

Große Dramen werden wieder gespielt in diesen Berliner Tagen – es geht um Schuld und Sühne. Oder nur um Jugendsünden und Intrigen? Jene, die sich zur Vorwendezeit, jung und überzeugt oder auch nur naiv, dem siechen Realsozialismus verpflichtet hatten, kommen nun in ein Alter, in dem Führungspositionen angestrebt und vergeben werden. Andrej Holm und Michael Grunst stehen für zwei von vielen Einzelfällen, die nicht pauschal exkulpiert oder abgeurteilt werden können – schon gar nicht in einem Land, das vielen Nazis zu großen Karrieren verholfen hat, das aber auch einen einst gewaltgeneigten linksradikalen Rüpel zum hochgeschätzten Außenminister aufsteigen ließ.

Wer seine Biografie verschleiert, ist für Führungspositionen kaum geeignet

Einige Frage können natürlich nicht ausbleiben, aber die Antworten sind selten eindeutig. Handelten die Betreffenden unter Druck, aus Angst, Naivität oder böswilliger Überzeugung? Haben sie jemandem individuell geschadet? Jenseits dieser weiten moralischen Grauzone gibt es vermutlich nur ein einigermaßen objektives Kriterium, nämlich die Ehrlichkeit im Umgang mit der eigenen Biografie.

Wer immer nur eingesteht, was nicht mehr zu verheimlichen ist, wer sich auf die Wahrheit nur häppchenweise nach Opportunität oder unter Druck einlässt – der gibt Anlass zur Annahme, dass er aus den Fehltritten der Jugend nicht die nötigen und wichtigen Konsequenzen gezogen hat, weil ihm die Karriere wichtiger war als der glatte Schnitt mit der Vergangenheit. Und wer so verfährt, der besitzt sicher nicht die Glaubwürdigkeit und Integrität, die wir von den Inhabern hoher Staatsämter erwarten müssen.

Die beiden aktuellen Fälle unterscheiden sich stark. Aber die intensive Debatte über beide Fälle stärkt die Demokratie – und ist damit nützlich.

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