• Debatte um "Einheitswippe": Senator Lederer gesteht Fehler ein, lehnt Denkmal aber weiter ab

Debatte um "Einheitswippe" : Senator Lederer gesteht Fehler ein, lehnt Denkmal aber weiter ab

Die Linke gibt den Kampf gegen die Einheitswippe nicht auf. Kultursenator Klaus Lederer gesteht einen Fehler in der Argumentation ein, bleibt aber bei seiner ablehnenden Haltung.

Wagt die Waage - das Freiheits- und Einheitsdenkmal nach Plänen von Johannes Milla im Entwurf.
Wagt die Waage - das Freiheits- und Einheitsdenkmal nach Plänen von Johannes Milla im Entwurf.Foto: Milla und Partner

Fakten, Fake News, alternative Fakten – der Streit um Wahrheit und Lüge erreicht nun auch die immer noch mit Schwung geführte Debatte über die Einheitswippe, pardon: die Einheitswaage. Johannes Milla, der Architekt des Denkmals, das vor dem Schloss geplant ist, wirft Kultursenator Klaus Lederer fehlende Kenntnisse von „Basisfakten“ vor. Der Linken-Politiker nehme „die Kolportage von der angeblichen Behindertenfeindlichkeit polemisch auf“ – dabei hätte eine Rückfrage bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gereicht, um diese Behauptung als üble Nachrede zu enttarnen.

Lederer, die Rollifahrer und andere Minderheiten

„Der Senat hat uns eine Baugenehmigung erteilt, unser Antrag hatte selbstverständlich alle Anforderungen an Barrierefreiheit erfüllt“, sagt Milla. Der Gestalter reagiert damit auf einen Beitrag von Lederer im Tagesspiegel. Darin hatte der Kultursenator erklärt: „Rollifahrer haben zur Wippe keinen Zutritt“.

Rollstuhlfahrer seien eine der Minderheiten, die von der beweglichen, begehbaren Skulptur unberücksichtigt blieben, so hatte Lederer geschrieben, und bekräftigte damit seine ablehnende Haltung der Symbolik des Kunstwerks, das eben nur „durch Mehrheiten“ in Bewegung gebracht werden könne. Lederer weiter: Ganz im Gegenteil bestehe die Aufgabe der „Demokratie“ doch gerade darin, Minderheiten zu schützen: „Arme, Kranke, Geflüchtete“, so Lederer – und eben Rollifahrer.

"Das Denkmal war von Anfang an barrierefrei geplant"

Geschickt formuliert, aber leider falsch: „Das Denkmal war von Anfang an barrierefrei geplant“, sagt Milla. Rollifahrer gelangten ganz selbstverständlich an das Denkmal heran und auf dasselbe hinauf. Zumal dieses natürlich auch die für Barrierefreiheit geltende „DIN-Norm“ erfülle. Dies gelte für alle nicht bewegten Elemente und für „ungefähr ein Viertel der Schale“, die ja nicht immer in der Waage steht, sondern sich neigt, wenn das Volk es will. Trotzdem wird die Neigung nicht mehr als sechs Prozent betragen. Das ist die Grenze des maximal zulässigen Gefälles von Bauwerken, die barrierefrei sein sollen.

Inzwischen hat Lederer einen Fehler eingestanden und seinen Gastbeitrag ergänzt: "In der Papierausgabe des Tagesspiegel habe ich behauptet, Rollifahrer hätten keinen Zutritt zur Einheitswippe. Dies ist offensichtlich falsch. Das bedaure ich."

Nicht nur Lederer, auch Lompscher lehnt das Denkmal ab

Neben Klaus Lederer lehnt auch Bausenatorin Katrin Lompscher, ebenfalls von den Linken, den Entwurf Millas für das „Freiheits- und Einheitsdenkmal“ ab. Das Denkmal wird mit Mitteln des Bundestags errichtet. Nach dessen positivem Votum erstrecken sich die Planungen seit Jahren, wurden vom Finanzausschuss gestoppt und dann von Vertretern der Koalition wieder in Gang gesetzt. Abschließend soll nun der Bundestag erneut entscheiden über den Bau.

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