Debattenbeitrag : Wie soll das Umfeld des Schlosses gestaltet werden - historisch oder modern?

10.08.2012 12:32 UhrVon Harald Fugmann
Und dann könnte es so aussehen.Die Computergrafik zeigt eine Nordwest-Ansicht des geplanten Berliner Schlosses, dem Humboldt-Forum, mit der Schlossbrücke im Vordergrund. Foto: dpa/"Stiftung Berliner Schloss - Humboldtforum/Franco Stella"
Und dann könnte es so aussehen.Die Computergrafik zeigt eine Nordwest-Ansicht des geplanten Berliner Schlosses, dem Humboldt-Forum, mit der Schlossbrücke im Vordergrund. - Foto: dpa/"Stiftung Berliner Schloss - Humboldtforum/Franco Stella"

Drei Fassaden des Schloss-Neubaus werden auf Grundlage historischer Pläne gestaltet. Soll auch das Umfeld in diesem Stil gestaltet werden? Darüber tobt ein Streit. Harald Fugmann, Chef des Bundes Deutscher Landschaftsarchitekten Berlin-Brandenburg, ist gegen ein historisches Umfeld. Ein Gastbeitrag.

Die Gestaltung der das Humboldtforum umgebenden Platzräume ist in der Tat eine wichtige Herausforderung für Landschaftsarchitekten.

Platzgestaltungen im historischen Umfeld sind eine häufig vorkommende Aufgabenstellung für die Landschaftsarchitektur. Viele Beispiele im In- und Ausland zeigen, dass mit zeitgenössischer Formensprache sehr schöne Plätze entstehen können. Eine zurückhaltende Platzgestaltung bringt zudem die historischen Gebäude weit besser zur Geltung als eine, die für sich selbst viel Aufmerksamkeit verlangt.

Als Beispiele seien hier einige genannt, es gibt natürlich noch viel mehr: Bundesplatz in Bern, Place des Terraux in Lyon, Place de la Bourse in Bordeaux, der Marienplatz in Görlitz, der Jakobsplatz in München, Placa de Jaume in Barcelona und, und, und .

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Auch der benachbarte Lustgarten nimmt - mit Anpassungen an die heutige Stadtstruktur - größtenteils den historischen Grundriss auf, verwendet aber ausschließlich moderne Elemente und Formensprachen. Insbesondere der Brunnen ist modern und entsprechend der veränderten Eingangssituation zum Dom heute an einem anderen Standort als früher. Trotzdem, oder wohl eher deswegen, erfreut sich der Ort großer Beliebtheit.

Rekonstruktionen sind unter Denkmalpflegern sehr umstritten. Die große Mehrheit lehnt sie ab, denn sie täuschen etwas vor, was nicht mehr ist, und suggerieren Ersetzbarkeit von historischer Substanz. Deswegen hat auch der Denkmalbeirat empfohlen, auf eine historisierende Gestaltung zu verzichten.

Das Umfeld des Schlosses hat sich im Laufe der Jahrhunderte oft gewandelt, im Einklang mit dem Zeitgeschmack und mit den jeweiligen Erfordernissen. Auch unsere Epoche hat das Recht, entsprechend ihren funktionalen Anforderungen und ihrer künstlerischen Ausdrucksweise eine zeitgenössische Gestaltung vorzunehmen. Die heutige Gesellschaft sucht mehr und mehr das Echte und Unverfälschte. Dieser Sehnsucht sollte auch im Umfeld des zentralen Kulturbaus in der Hauptstadt Berlin Rechnung getragen werden. Das schließt die Berücksichtigung historischer Spuren, so noch vorhanden, nicht aus.

Deswegen unterstützt der bdla Berlin-Brandenburg die Position der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, um das Humboldtforum herum eine zeitgemäße Gestaltung in ansprechender moderner Formensprache zu realisieren.

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