Demo am Berliner Zoo : Aufstand der Knutbürger

02.04.2011 19:09 Uhrvon
  • Vom Justin Bieber zur Lady Di der Tierwelt: Knuts Fans haben Grablichter, Andachtskarten, Blumen und Zeitungsausschnitte für ihren Liebling vor dem Zoo abgelegt. Foto: rtr
    Vom Justin Bieber zur Lady Di der Tierwelt: Knuts Fans haben Grablichter, Andachtskarten, Blumen und Zeitungsausschnitte für ihren Liebling vor dem Zoo abgelegt. - Foto: rtr
  • Vor dem Löwentor am Hardenbergplatz haben sich rund 70 Anhänger und Anhängerinnen von Knut eingefunden, um gegen seine Ausstopfung zu protestieren. Foto: AFP
    Vor dem Löwentor am Hardenbergplatz haben sich rund 70 Anhänger und Anhängerinnen von Knut eingefunden, um gegen seine Ausstopfung zu protestieren. - Foto: AFP
  • Glücklich kann sich schätzen, wer solche Freundinnen hat. Foto: rtr
    Glücklich kann sich schätzen, wer solche Freundinnen hat. - Foto: rtr

"Alle haben doch gesehen, wie schlecht es Knut ging." Bei einer Demonstration gegen das geplante Ausstopfen des Eisbären richtete sich der Zorn vor allem gegen Zoodirektor Blaszkiewitz.

"Er hat ihn ermordet, er hat ihn ermordet" ruft eine in Rot gekleidete Frau in die Kameras vor dem Löwentor-Eingang am Zoologischen Garten. Die Umstehenden nicken: "Ja, ihn sollte man ausstopfen - den Feigling", sagt eine andere Frau, und die Umstehenden nicken noch heftiger.

Mit dem "Feigling" ist Zoodirektor Bernhard Blaszkiewitz gemeint, und sein Opfer ist nach Ansicht der meisten Menschen hier natürlich Eisbär Knut. Was der "Wutbürger" in Stuttgart kann, sollte für den "Knutbürger" in Berlin auch möglich sein. Dachten sich zumindest die Veranstalter der Demonstration am Sonnabendnachmittag vor dem Zoo. Ursprünglich war nur eine Mahnwache als stiller Protest gegen das Ausstopfen von Knut geplant, doch die Trauer und die Empörung vieler Menschen sind noch zu groß.

Das von Pathologen am Freitag vorgestellte Sektionsergebnis, wonach Knut seit längerem an einer Gehirnentzündung erkrankt war (der Tagesspiegel berichtete), stellen hier viele in Frage: "Warum hat man das denn nicht festgestellt?" fragt Liane Pierce (57) aus Charlottenburg: "Alle haben doch gesehen, wie schlecht es Knut ging. Der hätte nie mit den drei Weibchen im Gehege bleiben dürfen. Jeder merkte, dass er Angst hatte - er ist an dem Stress gestorben."

Marion Schoof (48) aus Tiergarten pflichtet ihr bei: "Im Zoo und bei Knut haben viele Menschen Kraft getankt. Aber in den vergangenen Monaten war es nur noch schlimm, mit ansehen zu müssen, wie Knut litt. Manche sind heulend rausgelaufen, weil sie den Anblick nicht mehr ertragen konnten." Auch andere erzählen, dass Besucher immer wieder die Zooleitung oder die Tierpfleger darauf angesprochen hätten - ohne Erfolg.

Liane Pierce, Marion Schoof und viele andere Demonstranten gehen nicht mehr in den Zoo. "Nicht, so lange dieser Blaszkiewitz da ist", sagt Marion Thomas (60) aus Siemensstadt. "Der hat viel Geld mit Knut verdient und will noch mehr verdienen, indem er ihn ausstopft", meint Rosemarie Biehayn aus Tempelhof.

Daniela Jansen (30) ist aus der Nähe von Gütersloh angereist, andere junge Leute kommen aus Dortmund oder vom Bodensee. Sie haben sich über das Internet oder Facebook gefunden und sind der Ansicht, dass es nicht nur um Knut, sondern um grundlegende Fragen wie artgerechte Haltung von Tieren oder rechtzeitige veterinärmedizinische Kontrollen geht. "Für Knut ist es zu spät, aber andere Tiere leiden auch", sagt eine Frau: "Schauen Sie sich mal den Panther an."

Manche Passanten haben kein Verständnis für die etwa 70 Demonstranten. "Kümmert euch lieber um misshandelte Kinder", ruft ein Mann. Eine Frau versteht diese Haltung. Klar sei Knut nur ein Tier gewesen, sagt sie und deutet auf ein Foto, das Knuts Pfleger Thomas Dörflein mit dem noch jungen Eisbären zeigt. "Im Himmel seid ihr wieder vereint", steht darunter. "Das ist vielleicht wirklich übertrieben", sagt die Frau. "Aber besser so als überhaupt nicht nachdenken. Es geht ja nicht nur um Knut. Es geht um den Umgang des Menschen mit der ihm anvertrauten Kreatur."

Umfrage

Vom 17.-19. Mai findet in Berlin der 18. Karneval der Kulturen statt. Werden Sie an Veranstaltungen teilnehmen?

Service

Zehlendorf Blog

Wir möchten mit Ihnen ein Experiment wagen: Unsere Zehlendorf-Seite ist online - das digitale Magazin aus dem Berliner Südwesten. Ein journalistisches Produkt zum Mitgestalten. Jeden Tag kümmern wir uns, gemeinsam mit Jugendlichen und Leser-Reportern, um die spannendsten Geschichten aus dem Stadtteil, um lokale Politik und das Lebensgefühl der Menschen.
Der Zehlendorf Blog - das neue hyperlokale Online-Magazin

Entdecken Sie Berlin


Wo sind die besten Cafés der Stadt zu finden? Wo die besten Spielplätze? Oder wie finde ich die interessantesten Museen und Theater?
Mit der neuen Best-of-Berlin-App können Sie spielend Berlin entdecken.

Der Stadtleben-Blog

In Berlin kommt man nicht zur Ruhe. Zum Glück. Hier bloggen vier Tagesspiegel-Autoren über Kultur, Szene und Nachtleben der Stadt.
Berichte aus einer lauten Stadt

Nachrichten aus den Bezirken

Hast du als HartzIV-Bezieher deiner Oma ihr Kanapee für 100 Euro verkauft und den Betrag nicht angegeben, wird dir beim nächsten Mal das Geld abgezogen und du bekommst eine 3 monatige Sanktion auf dein Existenzminimum. Verbrätst du als Politiker Millionen (können gerne auch mal Milliarden sein), dann gibt es aber - holla die Waldfee - ein richtig kräftiges DuDu... mindestens...
Diskutieren Sie mit!

Weitere Themen

Willkommen im Tagesspiegel

In unserem Verlagsgebäude finden Lesungen und Salons, Konzerte, Vorträge und Seminare für Leserinnen und Leser statt, zu denen wir Sie herzlich einladen.
Das Stadtmagazin des Tagesspiegels.

Tagesspiegel-Spendenaktion

Erleben sie mit tagesspiegel.de die ganz besonderen Veranstaltungen in Berlin und Umgebung. Hier können Sie sich Ihre Tickets zum Aktionspreis sichern.

Weitere Tickets...