Demonstration : Überschießender Protest

Tausende Schüler und Studenten demonstrierten – Ausstellung ging zu Bruch

Demonstrierende Schüler und Studenten haben amm Mittwoch das Foyer der Humboldt- Universität (HU) besetzt. Dabei wurde die Ausstellung „Verraten und verkauft“ nahezu zerstört. Mit der Schau wollte die Universität noch bis Ende November an das Schicksal jüdischer Unternehmer im Nationalsozialismus erinnern. Etwa 1000 von mehreren tausend am Bebelplatz versammelten Demonstranten seien spontan in die Eingangshalle der Uni geströmt, teilte die Polizei mit. Rund 20 Minuten lang besetzten sie das Hauptgebäude, stürmten die Balkone und entrollten Plakate. Offenbar wurden die Tafeln im Gedränge im Foyer zerstört. „Wir haben keine Hinweise auf gezielte Zerstörungen“, so ein Polizeisprecher.

Uni-Sprecherin Katharina Henschen sagte, dass die Ausstellung nun nicht mehr gezeigt werden könne. „Wir müssen erst überprüfen, ob wir wenigstens Teile davon retten können.“ Studentenvertreter bedauerten den Vorfall und boten ihre Hilfe bei der Wiederherstellung der Ausstellung an. „Die Zerstörung ist nicht hinnehmbar“, teilte Johannes Roeder vom Referentinnenrat der HU mit, der den Protest gegen Kürzungen im Bildungssystem mitorganisiert hatte.

Auf Plakaten und in Sprechchören forderten die Demonstranten freien Zugang zur Bildung, die Abschaffung des verkürzten Abiturs nach zwölf Jahren und des dreigliedrigen Schulsystems, kleinere Klassen und mehr Lehrer. „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut!“, ertönten immer wieder die Sprechchöre. Parolen wie „Leere Köpfe meckern nicht“ oder „Kostenlose Bildung – Die Krise heißt Kapitalismus“ waren auf den Bannern und Plakaten zu lesen. „In unserer Schule fallen von 32 Unterrichtsstunden durchschnittlich vier aus“, beschwerte sich Zehntklässler Julian vom Steglitzer Paulsen-Gymnasium: „Wir haben zu große Klassen und zu wenig Lehrer.“ Jonas, 21 Jahre alter Student an der Freien Universität, äußerte die gleiche Kritik: „Lehrer, die frisch von der Uni kommen, werden nicht eingestellt, dabei fehlt es an allen Ecken und Enden.“

„Schülern steht kein Streikrecht zu“, stellte ein Sprecher der Berliner Schulverwaltung klar. Bei einem „Schülerstreik“ handele es sich um ein unentschuldigtes Fehlen, das von der Schule entsprechend den geltenden Vorschriften unter Berücksichtigung der Verhältnismäßigkeit geahndet werde. jure/wek/ddp

Mehr Fotos vom Protest im Netz:

www.tagesspiegel.de/berlin

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