Demonstration von Polizei und Feuerwehr : "Das Schlusslicht der Besoldung"

Die Berliner Beamten fordern eine höhere Besoldung. Trotz einer Gehaltserhöhung werden sie im Bundesvergleich am schlechtesten bezahlt.

Clarissa Herrmann
"Sei willig, sei billig, sei Hauptstadtbeamter" steht auf einem Transparent der protestierenden Berliner Beamten.
"Sei willig, sei billig, sei Hauptstadtbeamter" steht auf einem Transparent der protestierenden Berliner Beamten.Foto: Jörg Carstensen/dpa

Zahlreich waren sie nicht, dafür um so aufgebrachter. Am Donnerstagmorgen protestierten Polizisten und Feuerwehrmänner am Potsdamer Platz gegen den Beschluss des Senats, ihre Gehälter um nur 2,8% zu erhöhen. Damit ließe sich der versprochene Angleich an die Bundessoldung nicht erreichen.

„In Bayern bekommen sie bis zu 650 Euro mehr“, erklärt Oberkommissar Erik Klamka, der mit einer grünen Gewerkschaftsfahne gekommen ist. „Im Vergleich zu den Kollegen in den anderen Bundesländern müssen wir uns privat versichern, uns am Krankengeld beteiligen und bekommen kein 13. Monatsgehalt!“ Dass die Berliner Polizei bundesweit am schlechtesten dasteht, ärgert ihn sehr: „Das Schlusslicht in der Besoldung zu sein, als Hauptstadtpolizei, das tut wirklich weh!“

"Schick die SPD nach Hause"

Viele Polizisten sind in Uniform gekommen. Nur das Waffenhalfter bleibt leer, die Dienstwaffe muss zu Hause bleiben. Als die Landesvorsitzende der Berliner GdP (Gewerkschaft der Polizei) Kerstin Philipp mit dem Megaphon das Wort ergreift und das Verbot vor dem Abgeordnetenhaus zu demonstrieren kritisiert, wird es laut: heulende Sirenen und Zwischenrufe: „Schick die SPD nach Hause!“

Die Demonstranten ärgern sich, dass sie wegen einer Plenarsitzung auf den Potsdamer Platz ausweichen mussten: „Wenn die eigenen Parlamentarier Angst vor uns haben, läuft etwas schief!“ Dabei ist die Menge überschaubar - als Beamte haben sie kein Streikrecht. Es können also nur diejenigen kommen, die frei haben oder eine kurze Pause einlegen.
Auch die Feuerwehrmänner sind aufgebracht. „Wir wollen ja nicht unsere eigenen Fleischtöpfe auffüllen, sondern fordern ausreichend Fahrzeuge, vernünftig ausgestattete Wachen und  genügend Personal, um gesund unsere Arbeit zu machen. Es geht um die Sicherheit der Bürger!“ sagt Hardy Weyh und erklärt, dass die Berliner Feuerwehr als einzige europaweit auch noch den Rettungsdienst als Ordnungsaufgabe hat. Das führe schon mal zu der absurden Situation, dass sie mit einem Löschfahrzeug zu „einer Kopfplatzwunde“ fahren.
Uwe Küßner, Polizist in Pension, unterstützt seine Kollegen im Arbeitskampf. Eine große Missachtung der Politik sei das, sich selbst die Diäten zum 1. Januar zu erhöhen und den Beamten erst zum August. „Danke schön habe ich genug gehört. Als Polizisten sind wir schon ein stückweit altruistisch, aber Geld ist auch ein Teil der Wertschätzung.“

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