• Denkmal für den Schwulenkiez: Regenbogenstele mit rosa Spitze am Nollendorfplatz sorgt für Kontroverse

Berlin : Denkmal für den Schwulenkiez: Regenbogenstele mit rosa Spitze am Nollendorfplatz sorgt für Kontroverse

Tobias Arbinger

Vier Meter fünfzig ist das Denkmal hoch, ein Metallstift, vertikal in den Regenbogenfarben gestreift. Obendrauf hat der Berliner Künstler Salomé eine rosa Spitze gesetzt. Über die Frage, wie die Regenbogenstele, die bis kommenden Freitag auf der Mittelinsel des Schöneberger Nollendorfplatzes aufgestellt wird, zu interpretieren sei, fliegen in der lesbisch-schwulen Community schon vor der Enthüllung die Fetzen: Ein Denkmal für den traditionellen Schwulenkiez am Nollendorfplatz in den Farben der schwul-lesbischen Bürgerrechtsbewegung ist es für den Regenbogenfonds, einen Verein schwuler Wirte aus der Gegend. Als "Phallussymbol" sieht sie der Berliner Lesben- und Schwulenverband (LSVD), der nun - nicht ganz ernst gemeint - am Nollendorfplatz ein "Mösendenkmal" fordert.

"Phallusfeindlich" seien sie nicht, sagte gestern LSVD-Sprecher Alexander Zinn. Weil viele Denkmale ohnehin schon an Penisse erinnerten, wäre es aber gerade bei dieser Skulptur geboten gewesen, "nach neuen Formen zu suchen". Zinn kritisiert, dass Salomés Regenbogenstele innerhalb der Szene nicht ausreichend diskutiert worden sei. Er hätte sich für das Denkmal eine Auslobung gewünscht, an der auch lesbische Künsterinnen hätten teilnehmen können. "Lächerlich", sagte dazu der renommierte Berliner Künstler und Mitbegründer der Jungen Wilden, Salomé. "Nach dieser Argumentation würde ja jeder Baum, jedes Straßenschild einen Phallus darstellen". Der LSVD sei nur sauer, weil er seinen eigenen Vorschlag, an der Stelle einen Mast mit Regenbogenflagge aufzustellen, nicht durchgebracht habe, sagte der Künstler, dessen Gemälde in Sammlungen großer Museen aufgenommen wurden.

Auch Michael Lenz, Sprecher des Regenbogenfonds, weist die Kritik zurück. Das Salomé-Projekt sei auf einem Kiezforum diskutiert worden, sagte er. "Die Szene hat es gut angenommen". Für Lenz ist die Stele "das erste Homodenkmal, das nicht an Opfer, Tod und Leid erinnert". Das bezweckt der Rosa Winkel, der ebenfalls am U-Bahnhof Nollendorfplatz für die von den Nazis in Konzentrationslagern ermordeten Homosexuellen angebracht wurde.

In der Schöneberger BVV stieß die Fahnenmast-Idee des LSVD im vergangenen Jahr nicht so recht auf Gegenliebe. Als dann der Regenbogenfonds das Salomé-Projekt vorstellte, war selbst die Schöneberger CDU einverstanden. Am Freitag um 11 Uhr soll die Stele nun enthüllt werden - einen Tag vor dem Lesbisch-Schwulen Straßenfest in Motz-, Fugger- und Eisenacher Straße am Wochenende. Rund 20 000 Mark Herstellungskosten sollen aus Spenden aufgebracht werden, die der Regenbogenfonds sammelt.

Vermutlich das letzte Mal wird heute Bezirksbürgermeisterin Elisabeth Ziemer (Grüne) zum Christopher-Street-Day auf dem Schöneberger Rathaus die Regenbogenflagge hissen. Das Ritual hatte in den vergangenen Jahren immer wieder politischen Zwist ausgelöst. Ab 2001 hat die CDU im neuen Fusionsbezirk die Mehrheit - und die hält davon bekanntlich gar nichts.

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