Berlin : Denkzeichen für die Mauertoten

Bundestag beschloss eine Gedenkstätte am Brandenburger Tor und im U-Bahnhof Pariser Platz

Werner van Bebber

Am Brandenburger Tor soll eine Gedenkstätte eingerichtet werden, die an die deutsche Teilung und deren Überwindung erinnert. Das hat der Bundestag beschlossen. Dem liegt ein Antrag aller vier Fraktionen zugrunde. Sie hatten gefordert, die Umgebung des Tores „als Ort des Erinnerns an die Berliner Mauer, des Gedenkens an ihre Opfer und der Freude der Überwindung der deutschen Teilung“ kenntlich zu machen. Kultursenator Thomas Flierl (PDS) begrüßte den Beschluss „nachdrücklich“. Es gebe keine Differenz zwischen den Überlegungen der Bundestagsabgeordneten und den Berliner Plänen zum Mauergedenken, erklärte er.

Der Gedenkort am Brandenburger Tor tritt in Konkurrenz mit dem privat errichteten Mahnmal am Checkpoint Charlie. Die dort im Auftrag von Alexandra Hildebrandt, der Chefin des Checkpoint-Museums, aufgestellten tausend Holzkreuze sind den Opfern der DDR-Grenze gewidmet. Das Mahnmal soll am kommenden Dienstag frühmorgens geräumt werden, weil es keinen gültigen Pachtvertrag mehr für die genutzten Flächen an der Friedrichstraße gibt.

Der Antrag auf einen Gedenkort am Brandenburger Tor war im Bundestag zustande gekommen, weil mehreren Abgeordneten aufgefallen war, dass an einem der bekanntesten und am häufigsten besuchten Orte in Berlin fast nichts mehr an die Teilung erinnerte. Den Mauerverlauf erkenne nur, wer von den Markierungen im Asphalt wisse, hieß es. Die weißen Kreuze, die an die Toten erinnern, wurden während der Bauarbeiten am Reichstag an weniger auffällige Orte in dessen weiterer Umgebung gebracht und dort wieder aufgestellt. Die Abgeordneten Carl-Ludwig Thiele (FDP), Stephan Hilsberg (SPD), Franziska Eichstädt-Bohlig (Grüne) und Werner Kuhn (CDU) brachten deshalb den Vorschlag ein, am Brandenburger Tor an die Mauer, an deren Opfer, aber auch an die Feiern auf der Mauer zum Ende der DDR zu erinnern.

Für den Gedenkort gibt es in dem Antrag absichtlich keine Vorgaben, aber einige Vorschläge. Einig ist man sich darin, in der Nähe des Tores ein „Denkzeichen“ aufzustellen und den U-Bahnhof am Pariser Platz für eine Fotodokumentation zur Geschichte der Mauer zu nutzen. Bei dem Denkzeichen stellt sich Franziska Eichstädt-Bohlig vor, dass auf der östlichen und auf der westlichen Seite des Tores zum Beispiel einige Mauerteile deutlich machen könnten, wo der Todesstreifen beziehungsweise dessen Abgrenzung nach Westen begann. In dem U-Bahnhof könnten vergrößerte Fotos an wesentliche Momente aus der Geschichte der Teilung erinnern. Der SPD-Abgeordnete Stephan Hilsberg denkt an eine „Geschichte der Mauer“ in Fotografien. Auch die Namen derer, die in den DDR-Grenzanlagen ums Leben gekommen sind, können auf einer Tafel genannt werden. In dem U-Bahn-Tunnel sollen Hinweise oder Flyer zeigen, an welchen anderen Orten in Berlin man sich über die Teilung informieren kann.

Flierl fand es „erfreulich“, dass der Bundestag „sich hinter die Überlegungen meines Mauerkonzeptes stellt“. Flierls nach vielen Fragen und langen Verzögerungen zustande gekommenes Konzept stellt die Gedenkstätte an der Bernauer Straße ins Zentrum des Erinnerns an die Opfer. Nach dem mutmaßlichen Ende der rot-grünen Regierung stellt sich die Frage, wer nun die Umsetzung des Bundestagsbeschlusses vorantreibt. Bezahlen muss es laut Flierl der Bund.

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