Berlin : Der Alte Fritz aus 23 Einzelteilen: Denkmal enthüllt

Zur 250-Jahr-Feier ehrt Friedrichshagen den Ortsgründer

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Friedrichshagen. Den Gehstock in der rechten Hand, den Blick majestätisch in die Ferne gerichtet: So schaut der Ortsgründer seit gestern auf den Friedrichshagener Marktplatz hinunter. Am Sonntag wurde das neue Denkmal für Friedrich II., besser bekannt als der Alte Fritz, anlässlich der 250Jahr-Feier des Ortsteils enthüllt.

Da steht er nun, bronzefarbig, glänzend, in königlicher Positur. Doch vor ein paar Tagen sah Friedrich II. noch ganz anders aus: Das Gesicht stumpf, überall weiße Flecken, so gar nicht standesgemäß. Am Hut überstehende Grate und viele Einkerbungen. Spuren der Entstehungsgeschichte des Denkmals, Überbleibsel des Gussverfahrens. „Jetzt ist alles geschafft“, sagte Dieter Seiler von der renommierten Bildgießerei Seiler aus Schöneiche gestern stolz.

Immerhin 23 Einzelteile mussten in den vergangenen Monaten gefertigt und zusammengesetzt werden. Spartak Babajan, der armenische Künstler, der in Amerika lebt, gestaltete die 3,09 Meter hohe und 650 Kilogramm schwere Bronzefigur. Vor allem der Kopf des Alten Fritz bereitete ihm Kopfzerbrechen. Denn er wollte dem König möglichst jenen Gesichtsausdruck verleihen, den er vermutlich im Jahre 1753 hatte, als er das heutige Friedrichshagen als „Friedrichsgnade“ gründete. Nach langem Suchen fand er in einem Kunstband die Totenmaske von Friedrich II. und konnte anhand der Knochenstruktur den König im Alter von 41 Jahren nachgestalten.

Schon 1904 war an der heutigen Bölschestraße eine Bronze-Statue zu Ehren des einstigen Ortsgründers eingeweiht worden. Unklar ist nach wie vor, was aus dem einstigen Denkmal wurde. Alte Friedrichshagener erinnern sich daran, dass es 1945 vom Sockel gestoßen wurde. Nach Recherchen des Köpenicker Heimatmuseums ist die Statue vermutlich zwischen 1947 und 1950 einer Buntmetallsammlung zum Opfer gefallen und eingeschmolzen worden. Vom historischen Denkmal gab es nur noch Modelle und Fotos.

Dass dieses Projekt in Zeiten des harten Sparkurses überhaupt zustande kommt, ist unter anderem Alfred-Mario Molter zu verdanken. Er gehört zu den emsigen Initiatoren, die seit Jahren Sponsoren ansprechen und auch viele ortsansässige Firmen und Bewohner zu Spenden bewegen konnten. „Mehr als 50 000 Euro kamen zusammen“, freut sich der Friedrichshagener.

Ganz ungeteilt ist die Freude über den zurückgekehrten König allerdings nicht. „Nun kommt er also wieder, der Menschenschinder, der Blutsauger“, schreibt der Friedrichshagener Maler Thomas J. Richter in einem Brief an Kultursenator Thomas Flierl (PDS). Richter schlägt vor, neben Friedrich II. eine Plastik des Dichters Erich Mühsam „zur Erinnerung an die demokratisch-freiheitlichen Traditionen des Ortes“ aufzustellen. Besonders ältere Köpenicker schütteln angesichts derartiger Kritik den Kopf: „Der Alte Fritz stand immer da und gehört dahin“, sagt ein älterer Herr. Amüsiert beobachtete er gestern, wie sich der Treptow-Köpenicker Bürgermeister Klaus Ulbricht (SPD) und Initiator Alfred-Mario Molter bemühten, den Preußenkönig zu enthüllen: Nachdem das Seil am Tuch gerissen war, musste ein „Langer Kerl“ mit seinem Säbel zu Hilfe eilen.bey

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