Berlin : Der Angstmacher

Bestseller-Autor Ken Follett schreibt wie am Fließband – auch während seiner Visite in Berlin

Sebastian Leber

Promo-Touren sind gar nicht so übel: Die langen Autofahrten zwischen dem Flughafen, dem Hotel und der Buchhandlung, die Wartezeiten zwischen zwei Terminen – für Ken Follett sind das ideale Arbeitsbedingungen: Er klappt seinen Laptop auf und schreibt drauflos, vier Seiten pro Tag.

Seit Dienstag reist der britische Autor durch Deutschland, um seinen neuen Thriller „Eisfieber“ vorzustellen. Gestern war er in Berlin zu Gast, signierte Bücher im KaDeWe und sprach in der Buchhandlung SoSch in den Gropius-Passagen über sein Leben als Schriftsteller. Und natürlich über Eisfieber: Das Buch handelt vom Raub eines tödlichen Virus aus einem schottischen Forschungslabor und von einer starken Frau, die den Ausbruch des Virus verhindern will. Dass ganz Europa gerade über das Vogelgrippe-Virus spricht, hat Follett mitbekommen. Die Verkaufszahlen seines Buches werde das aber kaum beeinflussen: „Wichtiger für den Erfolg scheint mir, ob die Menschen einen Autor bereits kennen und mögen.“

In Folletts Fall ist diese Frage schnell beantwortet: Der Brite hat mit Thrillern wie „Die Nadel“ und „Mitternachtsfalken“ weltweit die Bestseller-Listen erobert und insgesamt 90 Millionen Bücher verkauft. Das meiste Lob von Kritikern und Fans bekam er für seinen Historienroman „Die Säulen der Erde“. 16 Jahre nach dessen Veröffentlichung sitzt Follett nun an einer Fortsetzung. 1600 Seiten soll das Buch mit dem Namen „World without end“ dick werden, und weil es bereits übernächstes Jahr erscheinen soll, muss sich der Autor sputen. Also wollte Follett gestern nach seinen Werbe-Terminen sofort ins Hotel Adlon zurück. Weggehen ist derzeit nicht drin, obwohl er gerne die Hugenotten-Ausstellung im Deutschen Historischen Museum gesehen hätte.

An jedem verkauften Buch seiner Karriere habe er etwa einen Dollar verdient, sagt Follett. Zusammen also 90 Millionen Dollar – „da frage ich mich, wo ich das ganze Geld gelassen habe“. Neben Reichtum bringt so ein Leben als Thriller-Autor noch andere Besonderheiten mit sich: Zum Beispiel hat Follett niemals Angst, sagt er. Vor seinen Büchern sowieso nicht, da weiß er schließlich, wie die gemacht werden. Aber auch am 7. Juli, als in London die Terror-Bomben explodierten, ließ sich Follett nicht verschrecken und ging wie geplant zum Zahnarzt. Danach kaufte er seinem Sohn noch ein Geburtstagsgeschenk: „Vielleicht bin ich einfach zu dumm zum Angst haben.“ Nur vorgestern war ihm kurz ein bisschen mulmig. Als ihn seine Werbetour durch die Kölner Innenstadt führte, sah er hoch oben am Dom mehrere Bauarbeiter in der Luft baumeln. Da freute er sich, Schriftsteller zu sein.

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