Berlin : Der Auftraggeber

Peter Ramsauer, Bauminister.

Dass Bayern nicht gut auf die Preußen zu sprechen sind, lässt Bundesbauminister Peter Ramsauer so nicht gelten: Genüsslich erinnert er bei der Besichtigung der Schlossbaustelle an die frühere Geldnot des bayerischen Königs Ludwig Maximilian, dem Bismarck und der Deutsche Kaiser zur Seite sprangen beim Bau von Schloss Herrenchiemsee. Das war „in meinem Wahlbezirk“ betont der CSU-Politiker amüsiert, und so leitet der Bayerische Regent im Bauministerium augenzwinkernd eine „historische Verantwortung“ für das Berliner Schloss ab, aus diesem früheren, gleichsam vorweggenommenen Länderfinanzausgleich. Damit straft Ramsauer zugleich alle Auguren Lügen, die beim Dienstantritt des „ethnisch nicht Berliner Bauministers“, ihm Ramsauer, die Streichung des Berliner Schlossbaus zugetraut hatten. Wie man heute weiß, kam es anders. Ramsauer hielt sich an den Beschluss des Bundestages für den Bau des Schlosses in Berlin und ist selbst immer wieder gerne Gast am Schlossplatz, um den Fortgang der Arbeiten zu beobachten. So gelöst wie dort erlebt man den schon mal kantig wirkenden Bauminister eher selten. Dabei sind klare Bekenntnisse für das größte Kulturprojekt des Bundes in der Politik eher selten. Dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) der Grundsteinlegung fernbleibt, wird in Kreisen der Schlossgegner als Beleg für das missliebige Projekt gewertet. Dabei dürfte Merkels Antrieb eher Rücksicht auf ostdeutsche Befindlichkeiten sein, da der Abriss des Palastes der Republik als Erniedrigung angesehen wurde. Ramsauer dagegen freut sich, dass die Kosten und der Zeitplan beim Schlossbau bislang im Ruder blieben. Zumal einer wie er durchaus die Reißleine zieht, wenn’s drauf ankommt, wie im Fall des Besucherzentrums für den Reichstag geschehen. Denn nicht alles läuft unter der Regie des 59-Jährigen glatt – das zeigt die Pannenbaustelle BER.

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