DER BERLINER WOHNUNGSMARKT : Wenig Neubau, viel Verkauf

In Berlin gibt es gut 1,9 Millionen Häuser und Wohnungen. Rund 260 000 von ihnen werden von den Eigentümern selbst bewohnt. Für die verbleibenden 1,6 Millionen Mietwohnungen sind die Besitzverhältnisse unklar, da es kein zentrales Register gibt, in dem für jede einzelne Wohnung der Besitzer vermerkt ist.

WEM WAS GEHÖRT

Etwas detaillierter geht es aber doch: So besitzen die sechs städtischen Wohnungsbauunternehmen (Gesobau, Degewo, Gewobag, Howoge, Stadt und Land, WBM) zusammen etwa 270 000 Wohnungen, Genossenschaften haben rund 190 000 Wohnungen. Der Berliner Mieterverein schätzt, dass von den verbleibenden 1,1 Millionen Wohnungen gut 400 000 von privaten Kleineigentümern vermietet werden. Große börsennotierte Unternehmen wie beispielsweise die GSW oder die Deutsche Wohnen kommen gemeinsam schätzungsweise auf 200 000 Wohnungen. Etwa 150 000 Wohnungen befinden sich – nach Schätzungen des Mietervereins – im Besitz von Eigentümergemeinschaften. Die verbleibenden 350 000 Wohnungen teilen sich verschiedene institutionelle Investoren auf – also etwa Fonds oder Kreditinstitute.

WAS WO ATTRAKTIV IST

Im „Wohnungsmarktbarometer“ der Investitionsbank Berlin (IBB) bewerten Akteure der Immobilienwirtschaft das Investitionsklima in Berlin. Für den Neubau von Wohnungen gilt insbesondere der Bezirk Friedrichshain- Kreuzberg als „unterdurchschnittlich“ attraktiv, auch wegen des Widerstands gegen Neubauprojekte.

Uninteressanter
für Neubau seien nur noch Neukölln und Lichtenberg. Hier ist die Bevölkerung zu arm.

Genau gegenteilig sieht es aus bei Kauf und Verkauf bestehender Wohnungen. Der Markt dafür sei sowohl

in Neukölln als auch in Friedrichshain-Kreuzberg derzeit „sehr gut“.

WAS WIE TEUER IST

Die Preissteigerung bei Eigentumswohnungen ist enorm: Zwischen 2003 und 2011 stiegen sie nach

Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Berlin um 39 Prozent, der Bundesschnitt liegt bei rund 10,5 Prozent. Auch der Berliner Mietspiegel, den die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung alle zwei Jahre erhebt, steigt. Bereits der Mietspiegel für 2011 wies eine durchschnittliche Mietsteigerung von knapp acht Prozent gegenüber der Erhebung von 2009 aus. So sei die durchschnittliche Nettokaltmiete

auf 5,21 Euro monatlich pro Quadratmeter angestiegen. Bei Neuvermietungen liegt sie mittlerweile bei

6,49 Euro
, sagt die IBB.

WAS GETAN WIRD

Um der wachsenden Wohnungsnot ärmerer Berliner Herr zu werden, gibt es im Senat Überlegungen für einen Wiedereinstieg in den sozialen Wohnungsbau. Ab 2014 könnten öffentliche Gelder in den Bau von Sozialwohnungen fließen. Die Beratungen dafür müssten zu Jahresbeginn starten. Derweil fordert die Berliner Industrie- und Handelskammer, dass mindestens 20 Prozent aller Neubauten für Kaltmiete von acht bis zehn Euro pro Quadratmeter angeboten werden – „für bezahlbares Wohnen der Mittelschicht vor allem im S-Bahn-Ring“. tri

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