Berlin : Der beste Mann für Moskau

Nach acht Jahren in Berlin wechselt Adlon-Chef Jean van Daalen in die russische Hauptstadt und übernimmt dort das Hotel Baltschug

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Acht Jahre Arbeit in Berlin waren ihm vermutlich durchaus nicht genug – aber wenn der Konzern eine womöglich noch wichtigere Position zu bieten hat, zögert ein qualifizierter Manager nicht lange. Jean („Gianni“) van Daalen, der das neue Adlon mitbegründet und seit der Eröffnung 1997 auch geleitet hat, wird noch in diesem Jahr nach Osten wechseln: als Direktor des Hotels Baltschug in Moskau, das ebenso wie das Adlon zur KempinskiGruppe gehört. Ein längerfristiger Plan steckt indessen nicht hinter diesem Wechsel. Denn Hans C.Sebesta, van Daalens Vorgänger in Moskau, war erst im August im Alter von nur 55 Jahren gestorben - ein „Gigant der russischen Hotellerie“, wie die „Moscow Times“ in einem Nachruf schrieb.

Jean van Daalen hat nun alle Chancen, als Hoteldirektor und Geschäftsführer der Eigentumsgesellschaft des Hotels ebenfalls den Gigantenstatus zu erreichen. In der Kempinski-Mitteilung heißt es jedenfalls lobend, die Aufgabe in Moskau sei für die Gruppe „immens wichtig“, und sie habe deshalb „den besten Mann aus ihren Reihen“ zum Nachfolger bestellt. Das Moskauer Hotel hat eine Schlüsselfunktion für den schwierigen russischen Markt. Ein Nachfolger für das Adlon werde in Kürze benannt, hieß es am Dienstag. Seine Frau Marylea, eine feste Größe im gesellschaftlichen Leben der Stadt, wird ihn begleiten.

In Berlin ist van Daalen zurzeit vermutlich der bekannteste Hotelmanager, zumal er auch ehrenamtlich den Hotel- und Gaststättenverband leitet, im Präsidium der Industrie- und Handelskammer sitzt und am „Runden Tisch für Tourismus“ den Ton angibt. Er profilierte sich von Anfang als Spezialist für deutliche Worte und warnte stets vor dem Preisverfall in den Berliner Spitzenhotels, der auch ihm in den letzten Jahren seiner Arbeit zunehmend zu schaffen machte.

Das letzte Jahr im Adlon dürfte indessen als eines der besseren in die Hotelgeschichte eingehen, denn der Touristenboom bescherte dem Gewerbe steigende Auslastungen; von den Preisen in Paris oder London ist man freilich immer noch weit entfernt.

Schon in den Achtzigerjahren war van Daalen als Hoteldirektor in Berlin tätig, damals im neuen Steigenberger am Los-Angeles-Platz. Dann wechselte er zu einer Pariser Firma, die Hotelprojekte in verschiedenen Ländern betreute. 1994 kehrte er als Marketingdirektor der Euromedien Babelsberg in die Berliner Region zurück.

Kempinski übertrug ihm die Leitung des Adlon noch in der Planungsphase 1996. Seither hat er die Eröffnung des Hotels mitgeprägt und es durch eine Reihe von Um- und Anbauten allmählich dem gegenwärtigen Zustand angenähert. Zuletzt war im Frühjahr das Adlon–Palais an der Wilhelmstraße mit neuen Zimmern und einem „Day Spa“ eröffnet worden. Nebenher war er federführend bei der Entwicklung und Eröffnung des Grand Hotels Heiligendamm, das ebenfalls von der Fundus-Gruppe erbaut wurde und von Kempinski betrieben wird.

In seiner Arbeit im Adlon hat Jean van Daalen praktisch alle Auszeichnungen erworben, die die Branche zu vergeben hat. Die „European Hotel Managers Association“ wählte ihn 2002 zum „Hotelier des Jahres“; den gleichen Titel verlieh ihm ein Jahr später auch der Gastro-Führer Gault-Millau. Laudatio: „Er führt Deutschlands bekanntestes Hotel höchst erfolgreich, ist die glanzvollste Erscheinung in der deutschen Hotellerie, antizipiert die Weltstadt Berlin – und investiert mutig in Gastronomie.“

Manche dieser Investitionen blieben allerdings glücklos, beispielsweise das „Felix“, das vom Berliner Publikum weitgehend missachtet wurde und demnächst als Mix aus Nachtclub und Restaurant wiedereröffnet werden soll. Auch der aufwändige China-Club, der vom Hotel bewirtschaftet wird, führt ein Schattendasein.

Jean van Daalen hat in Berlin vermutlich fast all seine Ziele erreicht, bis auf eins: Der vor Jahren beantragte Baldachin, der es den Hotelgästen ermöglichen sollte, trockenen Fußes vom Auto ins die Halle zu kommen, ist immer noch nicht genehmigt. Eine schöne Aufgabe für den Nachfolger. bm

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