Berlin : Der Bundestag will hoch hinaus

Streit um die Höhe droht einen Anbau des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses zu verzögern

Matthias Oloew

Im Streit zwischen Bund und Berlin um den Anbau des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses bleiben die Fronten starr. Die Stadtentwicklungsverwaltung lehnt den von Architekt Stephan Braunfels geplanten turmartigen Aufbau an der Luisenstraße nach wie vor ab. Der Bundestag will darauf aber nicht verzichten. Braunfels sieht sich zwischen den Stühlen: „Ich fürchte, dass sich durch den Streit der Baubeginn des Projekts um Jahre verzögert.“

Die Bauarbeiten für den 189-Millionen-Euro-Anbau sollen 2009 beginnen. Weil die Zeit drängt, plant Braunfels derzeit mit zwei Varianten: einem niedrigeren und einem etwas höheren Turm. Der Unterschied ist gering. Um 6,40 Meter differieren beide Entwürfe. 39,90 Meter misst der höhere Turm, 33,50 die kleinere Variante. „Es geht um zwei Stockwerke“, sagt Braunfels, „die uns die Senatsbaudirektorin nicht genehmigen will.“ Das Argument: Der Turm passe nicht zum durchgängig 22 Meter hohen Gebäuderiegel des Bandes des Bundes und nehme obendrein der Reichstagskuppel ihr Alleinstellungsmerkmal.

Das versteht der Hausherr im Reichstag nicht. „Der Bundestag hat seinen Beschluss nicht zurückgenommen“, erklärt Sprecher Christian Hoose, „die Baukommission teilt die Bedenken der Stadtentwicklungsverwaltung nicht.“ Doch die bleibt starr. „An unserer Position hat sich nichts geändert“, sagt Sprecherin Manuela Damianakis. In den kommenden Monaten wollen beide Seiten in Gesprächen nach einer Lösung suchen. Im Juni solle dann aller Voraussicht nach die Entscheidung fallen.

Braunfels sieht in dem turmartigen Aufbau einen neuen Sitzungssaal für die Abgeordneten vor und außerdem zusätzliche Büros. Gegen den Sitzungssaal über dem Dach des Lüders-Hauses soll sich die Stadtentwicklungsverwaltung dem Vernehmen nach nicht mehr wehren, will dies aber nicht offiziell bestätigen. Auf keinen Fall dürfe es aber die zusätzlichen Büros auf den zwei Etagen geben.

Stephan Braunfels versteht die starre Haltung nicht. Er sieht in der Situation an der Luisenstraße eine „Gelenkstelle“ zwischen seinem Gebäude und dem Stadtgebiet. „An dieser Stelle, der zum Haupteingang ins Regierungsviertel werden soll, braucht es einen städtebaulichen Akzent“, erklärt er. Außerdem sei der Turm nicht so hoch, dass er der Reichstagskuppel Konkurrenz mache: „Er wird nur in etwa so hoch wie die vier Ecktürme des Reichstages.“

Braunfels hat neben dem Marie-Elisabeth-Lüders-Haus auch das Paul-Löbe- Haus entworfen. Im November vergangenen Jahres fasste der Bundestag den Beschluss, das Lüders-Haus bis an die Luisenstraße zu vergrößern. Eine weitere Verlängerung des Bandes des Bundes über die Straße Richtung Osten ist zwar geplant, ein Bau jedoch nicht beschlossen. Matthias Oloew

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