Berlin : Der Ehre wert

Landesorden an elf verdiente Berliner verliehen Dabei sind Sportler, Forscher – und ein Tierpfleger

Der frühere Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen, die Schauspielerin Katharina Thalbach und der Pfarrer Manfred Fischer gehören zu den elf Persönlichkeiten, die am Montag den Berliner Landesorden erhielten. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) verlieh die Auszeichnungen im Großen Saal des Roten Rathauses. Den Verdienstorden erhalten auch die frühere Bundesfamilienministerin Christine Bergmann (SPD), Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner, der Leiter des Grips-Theaters, Volker Ludwig, der frühere AOK-Vorstandsvorsitzende Rolf Dieter Müller. Wir stellen weitere Geehrte vor.

Manfred Fischer wirkt als Pfarrer der Versöhnungsgemeinde in Wedding und erhält den Orden für seinen Einsatz für die Gedenkstätte Berliner Mauer. Fischer habe sein Gemeindehaus in der Bernauer Straße zum zentralen Ort der Auseinandersetzung mit der Mauer in Berlin gemacht, hieß es. Durch seine Initiative sei die 1985 von den DDR-Grenztruppen gesprengte Versöhnungskirche neu errichtet und am 9. November 2000 wieder eingeweiht worden.

Britta Steffen ist Europameisterin und Weltrekordlerin über 100 Meter Freistil. Mit vier Goldmedaillen und einer Silbermedaille war sie die erfolgreichste Athletin der Schwimm-EM 2006. Bei den Schwimmweltmeisterschaften in Melbourne 2007 holte sie Bronze und Silber und gehört deshalb zum Olympia-Kader für die Spiele 2008 in Peking. Das blonde Schwimm-Ass Steffen kommt aus Schwedt, trainiert aber bei der SG Neukölln. Für Berlin könnte sie eine zweite Franziska van Almsick werden. Sie engagiert sich für die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung und studiert Wirtschaftsingenieurwesen an der Technischen Fachhochschule. Für weitere Aktivitäten reichte die Zeit bislang nicht: Britta Steffen ist schließlich erst 23 Jahre alt und damit die mit Abstand jüngste Ordensempfängerin.

Gina Graichen. Die Hauptkommissarin wird schon mal als „Mutter Courage“ betitelt. Sie leitet seit 1990 das „Fachkommissariat für Delikte an Schutzbefohlenen“, dahinter verbergen sich grausame Fälle misshandelter und vernachlässigter Kinder. Wenn die Polizei kommt, ist es meist zu spät, deshalb engagiert sich Gina Graichen für die Präventionsarbeit, hält Vorträge, leitet Seminare, gibt Interviews, um Menschen sensibel für die Warnzeichen einer Misshandlung zu machen Die 52-Jährige hat selbst zwei Töchter. Als sie zur Polizei ging, das war 1975, ahnte sie noch nicht, in welche menschlichen Abgründe sie der Berufsweg führen würde. Rund 500 Fälle von Kindesmisshandlung müssen Gina Graichen und ihre 20 Kollegen jedes Jahr bearbeiten, mehr als in jeder anderen deutschen Großstadt.

Günter Stock steht in ständigem Kontakt zu führenden Universitäten, Fachgesellschaften, Stiftungen und Forschungseinrichtungen. Günter Stock, Professor für Physiologie, gehört zum neuen Typus des „Forschungsmanagers“. Er sitzt in den Aufsichtsgremien diverser Berliner Medizinforschungsinstitute und ist seit 2006 Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Im vergangenen Jahr erhielt er das Bundesverdienstkreuz. An die Spree geholt hatte ihn 1983 die Schering AG. Der 63jährige, 1944 in Kroatien geboren, kämpft für den Wissensstandort Berlin. Vor einigen Jahren gründete er die Initiative „an morgen denken“. Aus dem Privatleben des Medizingelehrten ist bislang kein messbares Quantum nach außen gedrungen.

Thomas Dörflein ist der wohl der bekannteste Tierpfleger der Welt. Dank des Einsatzes des 43-Jährigen überlebte jenes kleine Eisbärenbaby, das dem Berliner Zoo zu Weltruhm verhalf: Knut. Auch der nordische Name stammt von Dörflein, der bereits seit 1980 im Zoo arbeitet. Thomas Dörflein Superstar – so etwas passt dem Vater zweier erwachsener Kinder eigentlich so gar nicht. Interviews, so sagte er gegenüber dem Tagesspiegel einmal lächelnd, seien ihm „immer wieder lästig“. Dass er Heiratsangebote aus aller Welt bekommt – und dass die Leute ihm auf der Straße oftmals „nichts als komische Laute entgegenschleudern und immer nur laut Knut! Knut! sagen“, auch das findet er höchst verwunderlich. Dörflein ist ein stiller Typ, ein philosophischer noch dazu, einer, der sich gern mal mit der Gitarre in sein Büro am Innengehege der Bären zurückzieht. Als er noch monatelang auch nachts bei Knut wachte, sang er dem Eisbären Lieder vor. Auch jetzt sorgt er noch leidenschaftlich für Knut, „der ja noch ein Kind ist“. Jetzt einen Orden zu bekommen, so was hält er eigentlich gar nicht für nötig: „Ich mache hier doch nichts als meine Arbeit.“loy/kög

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