Berlin : Der Fall Landowsky: "Wenig Verständnis, dass er sich als Opfer darstellt"

Katja Füchsel

Nur ein "Stück Lebensfehler" hat der ehemalige CDU-Fraktionsvorsitzende zugegeben: Dass er damals diese "Scheißspende" der beiden Aubis-Manager entgegengenommen hat. "Das war eine Sekunde, in der ich nicht geschaltet habe", sagte Klaus Landowsky im Tagesspiegel-Interview. "Ich hätte sagen sollen, packt das Geld ein, geht rüber zur CDU-Geschäftsstelle." Wenn ihm dieser Fehler nicht unterlaufen wäre, hätte es für die SPD keine Handhabe gegeben, ihn "fertig zu machen".

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Die Landowsky-Affäre Die gescholtenen Sozialdemokraten gaben die Vorwürfe am Sonntag zurück. "Das offenbart, dass Landowsky noch immer nicht eingesehen hat, was für schwerwiegende und langfristig wirkende Fehler er begangen hat", sagte Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) am Sonntag. Nicht äußern wollte sich Wowereit hingegen zu den persönlichen Angriffen Landowskys, da er besonders in den Zeiten des Wahlkampfes die sachliche Auseinandersetzung bevorzuge. Im Interview hatte Landowsky erklärt: "Wowereit hat im entscheidenden Moment seine Chance ergriffen, er hat also Machtinstinkt. Aber dass er persönlich diffamiert, dass er mir meine Ehre nehmen will, vergesse ich ihm nicht." Landowsky, einst Chef der Berlin Hyp, wies in dem Interview erneut jede Verantwortung an den rund vier Milliarden Mark Schulden der Bankgesellschaft Berlin zurück. Er sei schließlich nicht Chef der Bankgesellschaft gewesen, sondern Vorstand des Tochterunternehmens Berlin Hyp. In den 22 Jahren auf diesem Posten habe er 21 Jahre lang "riesige Gewinne abgeliefert". In den vergangenen zehn Jahren habe die Berlin Hyp "fast eine dreiviertel Milliarde Mark an Steuern bezahlt". Die Schieflage in der Bank sei nicht durch seine Fehler entstanden, sondern durch den Leerstand von Immobilien im Osten.

Wenig überrascht zeigte sich Schulsenator Klaus Böger (SPD) von den Äußerungen Landowskys. "Es entspricht seiner Persönlichkeit, wie er seine Verantwortung abschiebt." Als "dolle Nummer" bezeichnet Böger die Äußerungen Landowskys zu dem CDU-Spitzenkandidaten Frank Steffel. Landowsky hatte den 35-Jährigen als tüchtigen, charismatischen Politiker bezeichnet und versichert, Steffel schon seit 20 Jahren zu kennen. "Da war Steffel 15. Ich wusste noch gar nicht, dass sich Landowsky für kleine Jungs interessiert."

Auf Kritik stießen die Äußerungen Landowskys aber nicht nur in den Reihen der SPD. Sie könne zwar verstehen, dass sich Landowsky rechtfertigen wolle, sagte die ehemalige Schulsenatorin Hanna-Renate Laurien (CDU). "Aber ich habe wenig Verständnis dafür, dass er sich als reines Opfer darstellt." Landowsky habe es der SPD mit seiner Hartnäckigkeit erst ermöglicht, aus "der Bankgeschichte ein Politdrama zu inszenieren", um die Große Koalition platzen zu lassen. "Wäre Landowsky früher zurückgetreten, hätte er den Spieß umdrehen können", sagte Hanna-Renate Laurien.

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