Berlin : Der friedliebende Organisator

Der Spandauer Pfarrer Kranz hatte die Idee zur Lichterkette gegen Rassismus. Seit 20 Jahren engagiert er sich gegen den Krieg – ein Unbequemer

Rainer W. During

Am Vormittag hat er noch den Frühjahrsputz des von ihm initiierten Ortsteilvereins organisiert. Rund 300 Kinder aus Schulen und Kitas sowie viele Erwachsene fegten die Spandauer Neustadt. Jetzt ist Peter Kranz schon wieder gedanklich bei der Lichterkette unter dem Motto „Nie wieder Krieg, Rassismus und Rechtsradikalismus“, die am 7. Mai Berlin 33 Klometer lang in Ost-West-Richtung durchziehen soll. „In der Innenstadt haben wir genug Teilnehmer, in den Außenbezirken könnte es eng werden“, sagt der Pfarrer der Spandauer Luther-Gemeinde.

Kranz hat Erfahrung, vor zwei Jahren organisierte er die Lichterkette gegen den Irak-Krieg, an der sich 110000 Menschen beteiligten. Dabei hatte er, 1946 in Neustadt an der Ostsee geboren, eigentlich wie sein Vater Kapitän werden wollen. Doch er studierte, wie sein Großvater, in Heidelberg Theologie und Soziologie. 1974 brachte ihn ein Stipendium nach Argentinien, wo er mit 60000 Menschen in einem Armenviertel lebte und sich danach an der Hochschule der Künste und der Freien Universität Berlin mit der Stadtentwicklung in der Dritten Welt beschäftigte.

Nach einem Gastspiel als Geschäftsführer eines alternativen Lateinamerika-Forschungszentrums beschloss Kranz 1983 doch noch die Kirchenlaufbahn zu wählen. Er holte Vikariat und Hilfspredigerzeit nach und bewarb sich drei Jahre später erfolgreich um das Pfarramt in der Spandauer Neustadt. Der Problemkiez mit hohem Anteil von Ausländern und Arbeitslosen hat den Vater dreier erwachsener Kinder seitdem nicht mehr losgelassen. Vom Arbeitslosentreff „Regenbogen“ bis zur ersten Schuldnerberatung im damaligen Westberlin entwickelte er eine Vielzahl von Aktivitäten.

Das Motto des Weltchristentreffens von Vancouver 1982, „Frieden, Gerechtigkeit und Schöpfungsbewahrung“ bestimmt sein Handeln. So ist Peter Kranz Initiator des Vereins „Solarpfennig“, der Solarenergieprojekte fördert, engagiert sich in Bürgerinitiativen gegen den Ausbau des Flughafens Tegels sowie gegen die Öffnung der Spandauer Waldstraßen und gehört zu den Berliner Christen, die 1983 das Atomraketendepot im schwäbischen Mutlangen blockierten.

Im eigenen Kiez hat Kranz den Arbeitskreis Frieden und Umwelt gegründet, der das Stadtteilzentrum „Paul-Schneider-Haus“ in eigener Regie betreibt, seit die Kirche dafür kein Geld mehr hat. Und er versucht mit dem Ortsteilverein die Lebensbedingungen in der Neustadt zu verbessern und den Wegzug zu stoppen.

Die Idee zur Lichterkette kam ihm, weil sich die Diskussion zum 60. Jahrestag des Kriegsendes darauf konzentrierte, wie NPD-Demonstrationen verhindert werden könnten. Er sagt: „Das absolute Gegenteil von Krieg ist eine friedliche Lichterkette.“

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